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Shared Factory in der Fashionproduktion

ito ito – Coopetition ermöglicht nachhaltigere Mode

Laut einer Untersuchung von Greenpeace werden ca. 40% aller weltweit produzierten Kleidungsstücke nie oder nur einmal getragen. Gleichzeitig verursacht die Modebranche 10 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen – mehr als die internationale Luftfahrt und Seeschifffahrt zusammen.

Das Geschäftsmodell der Modebranche besteht zu einer Hälfte aus Rätselraten über die Wünsche der Kund*innen und zu einer anderen Hälfte aus einem Wettbewerb um den niedrigsten Preis, der auf dem Rücken von Menschen im globalen Süden ausgetragen wird und die internationalen Klimaziele in Gefahr bringt. Das mag für manche Brands im Bereich von Fast Fashion (noch) profitabel sein – effizient ist das nicht.

Zusätzlich setzen die Corona-Pandemie und der russische Angriffskrieg in der Ukraine die langen und intransparenten Lieferketten, die dieser Überproduktion zugrunde liegen unter Druck und bringen den Einzelhandel in einer ohnehin angespannten Situation in noch größere Bredouille.

Was wäre, wenn wir die Herstellung von Mode direkt an die Nachfrage koppeln und eine Produktionsweise entwickeln könnten, die nicht nur effizienter ist, sondern auch Teil einer Kreislaufwirtschaft mit einer transparenten und lokalen Lieferkette? Was wäre, wenn wir nur das herstellen würden, was bereits verkauft wurde? Was wäre, wenn Kund*innen uns direkt sagen könnten, was sie wirklich wollen, Produkte an ihre Vorstellungen anpassen und so zu Kollaborateur*innen einer Marke würden, anstatt nur ihr/e Abnehmer*innen zu sein (oder auch nicht)?

Was wäre, wenn man 1.000 Stück von einem Entwurf oder jeweils ein Stück von 1.000 unterschiedlichen Entwürfen zum selben Preis herstellen könnte?

Florian und Friederike Pfeffer, ito ito

“Was wäre, wenn man 1.000 Stück von einem Entwurf oder jeweils ein Stück von 1.000 unterschiedlichen Entwürfen zum selben Preis herstellen könnte?”


Prinzip der Shared Factory

Das ist das Prinzip der Shared Factory von ito ito. Durch die Digitalisierung der Produktion von Knitwear und die geteilte Nutzung von Ressourcen und Materialien sowie die direkte Verknüpfung von vernetzen Strickmaschinen mit einem Order-Management in einer integrierten Cloud-Lösung wollen wir mit unserem Start-Up nicht nur die oben genannten Herausforderungen meistern, sondern gleichzeitig neue Erlebnisse und Möglichkeiten für den Handel und deren Kund*innen schaffen – ob online oder im klassischen Einzelhandel.

Wenn Wettbewerber im Markt kooperieren, gemeinsame Standards entwickeln und Produktionskapazitäten teilen, lassen sich Effizienzgewinne für alle erzeugen, ohne an Differenzierung zu verlieren. Im Gegenteil: Mit einer On-Demand-Produktion können Marken, Händler*innen und Kund*innen neue Verbindungen eingehen und noch individueller werden. Wird die Shared Factory an einen Online-Store angebunden oder Teil eines neuartigen Retail-Konzepts, ist Made-to-Measure zu einem marktfähigen Preis nur noch wenige Klicks entfernt. Ebenso können neue Kollektionen in kleineren Auflagen und Capsule Collections getestet und bei anziehender Nachfrage schnell nachgeordert werden.

In einer Befragung der Unternehmensberatung McKinsey aus dem Jahr 2021 äußern 63% aller Verantwortlichen in der Modebranche die Erwartung, dass sich nennenswerte Teile der Modeproduktion in den kommenden Jahren aus dem weiteren Ausland wieder in die EU bzw. die Länder mit den größten heimischen Absatzmärkten verlagern werden. Sind in den vergangenen Jahrzehnten ganze Industrie- und Handwerkszweige aus Europa abgewandert, kann die zunehmende Digitalisierung – befeuert durch die Pandemie und instabile globale Lieferketten – eine umgekehrte Entwicklung auslösen.

In einer Welt, in der Energiekosten und die durch den Transport ausgelösten C02-Emissionen einen wachsenden Anteil an den Produktionskosten verursachen, in der Lieferketten-Gesetze stets größere Transparenz verlangen und Kund*innen vermehrt die Frage stellen, wie und wo ihre Kleidung produziert worden ist, können lokale Lieferketten ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit werden. „Made in Germany“ wird in Zukunft nicht mehr nur für technologische Innovation und höchste Ingenieurskunst stehen, sondern zusätzlich auch für emotionale Markenwerte wie Nähe, ethische Integrität und den Optimismus, dass wir auch große Herausforderungen meistern können und unsere Chancen nutzen, wenn wir zusammenarbeiten.

Die Digitalisierung der Modeproduktion bietet aber auch neue Wege zu einer Kreislaufwirtschaft, in der es keinen Müll mehr gibt, sondern nur noch Rohstoffe für das nächste Produkt. Jedes in der Shared Factory hergestellte Produkt wird mit einer digitalen ID versehen, um Produkte nachzuverfolgen, Materialinformationen weiterzugeben und so einfacher recyceln zu können. Für den Handel planen wir, neue Geschäftsmodelle im Bereich des Wiederverkaufs von bereits verkauften Produkten in Kooperation mit den eigenen Kund*innen zu ermöglichen, die neue Besitzer*innen für ihre gebrauchten Kleidungsstücke suchen.

Bleibt noch die Gretchen-Frage: der Preis. Verbraucher*innen bekennen sich gerne zu Nachhaltigkeit und Verantwortung. Wie aber kann ich das als Kund*in erkennen und bin ich auch bereit, dafür einen höheren Preis zu bezahlen? Die Realität an der Ladentheke zeigt, dass sich das Bewusstsein der Menschen zwar langsam ändert – aber nicht in dem Ausmaß wie es notwendig wäre. Die große Herausforderung für die Industrie besteht deshalb darin, nachhaltige Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen herzustellen und so deren Akzeptanz zu erhöhen. Das Luxus-Segment wird den Planeten nicht retten. Andererseits dürfen wir Fast-Fashion nicht einfach so das Feld überlassen. Es ist ein verändertes Bewusstsein für den Wert von Mode notwendig und gleichzeitig müssen nachhaltige Produkte erschwinglicher werden.


“Die Automobilindustrie hat das mit der Entwicklung gemeinsamer Plattformen über Marken und Konzerne hinweg bereits vorgemacht. Jetzt sind wir dran.”

Florian und Friederike Pfeffer, ito ito

Mit ito ito richten wir uns auf das mittlere Preissegment, in dem wir eine On-Demand-Produktion wirtschaftlich attraktiv machen wollen. Je mehr Designer*innen, Label, Marken, Händler*innen und Hersteller*innen sich an der Shared Factory beteiligen, desto einfacher und schneller wird das gehen. Denn der große Hebel einer neuen Art Mode zu produzieren, ist die »Coopetition«, die Verbindung von Kooperation und Konkurrenz. Die Automobilindustrie hat das mit der Entwicklung gemeinsamer Plattformen über Marken und Konzerne hinweg bereits vorgemacht. Jetzt sind wir dran.

https://www.itoi.to/

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Nutzen statt besitzen – das Prinzip der „Sharing Economy“

Teilen, Tauschen und Leihen gilt seit einigen Jahren als Trend und als Alternative zum „klassischen“ Konsum. Viele Apps und Online-Plattformen haben sich bereits etabliert. Wie können sie dazu beitragen, Ressourcen zu schonen und die Belastung von Umwelt und Klima zu verringern?

Ein eigenes Auto kaufen? Carsharing reicht vielleicht. Ein neues Outfit muss her? Sicher gibt es wieder ein paar schöne Sachen in der Internet-Kleiderbörse. Am Wochenende wird endlich das Regal angeschraubt? In der Online-Nachbarschaftsgruppe findet sich sicher jemand, der seine Bohrmaschine verleiht.

Diese Beispiele wirken alltäglich – doch sie werden häufig als Teil einer relativ neuen Entwicklung im Bereich des Konsums genannt, mit der viele Hoffnungen verbunden sind. Es geht um die sogenannte Sharing Economy (oft auch: „Shareconomy“). Der Begriff kann übersetzt werden mit „Wirtschaft des Teilens“. Dabei geht es um das gegenseitige Bereitstellen von Gegenständen oder auch Räumen. Das allein ist nicht neu, Bibliotheken zum Beispiel gibt es schließlich bereits seit Jahrtausenden. Beim Begriff der „Sharing Economy“ spielt jedoch auch das Internet eine wichtige Rolle.

Das Teilen, Tauschen und Leihen gilt seit einigen Jahren als Trend und als Alternative zum „klassischen“ Konsum. Vor einigen Jahren war der Begriff „Sharing Economy“ noch präsenter als heute. Im Jahr 2013 war er Thema der damals bedeutenden Elektronikmesse Cebit. Bereits 2011 zählte das Time-Magazine „Sharing“ zu den zehn herausragenden Ideen, die die Welt verändern werden.  

Das Prinzip ist heute nicht weniger relevant, im Gegenteil. In manchen Lebensbereichen ist es mittlerweile etabliert. Einzelne Plattformen sind bekannter als der Begriff „Sharing Economy“. Dazu zählen Airbnb, die Plattform zur Vermittlung von privaten Unterkünften, die Mitfahrzentrale Blablacar oder die Plattform Kleiderkreisel.

Mit dem Prinzip des systematischen Teilens werden einerseits verschiedene Hoffnungen verbunden, andererseits gibt es Kritik an einigen heute existierenden Plattformen. Ein Beispiel ist die Vermittlung von privaten Unterkünften. In einigen touristisch besonders attraktiven Regionen wird befürchtet, dass Wohnraum dauerhaft zweckentfremdet wird.

Auch einige sogenannte Ridesharing-Plattformen stehen in der Kritik. Sie vermitteln Fahrten in privaten PKW, wobei es zu Konflikten mit den geltenden Regeln für Fahrdienste kommen kann.

Doch viele Ansätze haben das Potenzial, Ressourcen zu schonen und die Belastung von Umwelt und Klima zu verringern. Hinzu kommt, dass sie neue Impulse für die Gesellschaft setzen können.

Konsum wird zur Belastungsprobe für die Umwelt

Ansätze zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs und von Umweltschäden im Bereich des Konsums sind grundsätzlich hochinteressant. Denn der Handlungsbedarf ist groß (siehe Hintergrundtext: Umweltbewusstsein, Konsumverhalten und nachhaltiger Konsum).

Was Menschen besitzen und wie sie konsumieren spielt eine wichtige Rolle für Wirtschaft und Gesellschaft – vor allem in den Industrieländern. 2019 machten private Konsumausgaben 52,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland aus. Zugleich hat intensiver Konsum weltweit ökologische und soziale Schattenseiten.

Insgesamt wird unser Konsumverhalten zu einer globalen Belastungsprobe für die Umwelt. Es wirkt sich zum Beispiel auf den Ausstoß von Treibhausgasen aus. Die jährlichen Emissionen pro Kopf liegen in Deutschland bei 11,61 Tonnen CO2-Äquivalenten. Damit sind sie fast doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt.

Die Konsumausgaben der Haushalte in Deutschland stiegen allein von 2014 bis 2019 um 14 Prozent. Dabei geben Haushalte mit höherem Einkommen mehr für Konsum aus. Damit geht ein höherer Energieverbrauch einher, und es werden mehr Umweltressourcen in Anspruch genommen.

Kritik an der „Wegwerfgesellschaft“

Insgesamt haben immer mehr Haushalte immer mehr Güter. Die Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte steigt, und ebenso steigt der Ausstattungsgrad der Haushalte.

Zudem werden viele Waren aufwändig produziert, aber nur relativ kurz und wenig genutzt – obwohl sie häufig eine längere Lebensdauer haben könnten. So enthalten Mobiltelefone wertvolle Rohstoffe und sind meist noch gebrauchstüchtig, wenn sie durch neue, modernere Geräte ersetzt werden. Das geschieht oft schon nach ein oder zwei Jahren. Längst nicht alle Produkte werden recycelt.

Jedes fünfte in Deutschland verkaufte Kleidungsstück wird so gut wie nie getragen. Viele Kleidungsstücke werden nur für eine Saison gekauft („Fast Fashion“) und qualitativ entsprechend nachlässig produziert. Solch ein Lebens- und Konsumstil, bei dem Produkte nur eine kurze Lebensdauer haben, wird von Kritikern auch mit dem Begriff der „Wegwerfgesellschaft“ beschrieben.

Welches Potenzial hat die „Sharing Economy“?

Teilen, Tauschen und Leihen ermöglichen es, Dinge und Räume effizienter zu nutzen. Das spart Ressourcen und verringert die Belastung für Umwelt und Klima.

Das Beispiel Carsharing veranschaulicht, welches Potenzial das Prinzip des Teilens hat. Ein privater PKW wird durchschnittlich nur eine Stunde am Tag bewegt. Er steht also 23 Stunden am Tag ungenutzt herum. Ein Carsharing-Fahrzeug kann mehrere private PKW ersetzen. Der Blaue Engel, das Umweltzeichen der Bundesregierung, hat Vergabekriterien für Carsharing-Anbieter.

Das Prinzip lässt sich auf vieles übertragen, unter anderem auf Bohrmaschinen. Dieses Beispiel nennt die US-amerikanische Trendforscherin Rachel Botsman, eine bekannte Verfechterin der „Sharing Economy“. Bohrmaschinen gibt es in sehr vielen Haushalten, doch sie kommen nur während eines Bruchteils ihrer gesamten Lebensdauer zum Einsatz.

Dabei brauchen wir nicht den Bohrer, sondern das Loch in der Wand.

Botsman meint, dass sich die Gesellschaft in einem Kulturwandel befindet, bei dem sich das Verhältnis der Menschen zu den Dingen radikal verändern wird. Der Besitz von neuen Produkten verliere an Bedeutung für sozialen Status und Alltagsleben, so Botsman. Nicht mehr das Eigentum an Dingen zähle, sondern der Zugang zu ihnen.

Wie erleichtert das Internet das „Teilen“?

Tausch- und Teilmodelle brauchen bestimmte Voraussetzungen, damit sie funktionieren. Eine entscheidende Voraussetzung ist Vertrauen. Traditionelle Formen des Teilens blieben meist auf die engen sozialen Zusammenhänge von Familie, Nachbarschaft und Freundeskreis begrenzt. Hier gründet das Vertrauen darauf, dass man einander kennt.

Eine weitere Voraussetzung ist, Partner zu finden: Wer hat, was ich brauche? Mit wem kann ich teilen?

Mit dem Internet sind die Möglichkeiten gewachsen, Dinge weiterzugeben oder gemeinsam zu nutzen – nicht nur mit Freunden, sondern auch mit Fremden. Plattformen zum Teilen umfassen in der Regel Funktionen, um Vertrauen herzustellen und Risiken zu minimieren.

Und sie müssen einen ausreichend großen Markt schaffen. Es ist eine kritische Masse von Teilnehmenden nötig, damit sich das Angebot für alle lohnt.

Eine Möglichkeit, Vertrauen unter einander unbekannten Menschen aufzubauen, wird von zahlreichen Plattformen verwendet: Nutzerinnen und Nutzer bewerten und kommentieren einander. Die Zahlungsvorgänge werden über die Plattform organisiert, es gibt zum Teil Sicherungsmaßnahmen gegen Zahlungsausfälle.

Was sind die zentralen Merkmale der „Sharing Economy“?

In der Praxis wird eine große Vielfalt von Möglichkeiten der „Sharing Economy“ zugerechnet. Gemeinsam ist ihnen, dass es um das Teilen und Weitergeben geht – in Abgrenzung zum exklusiven Besitzen.

Manche Projekte sind kommerziell, andere nicht kommerziell; bei manchen Ideen geht es um die gemeinsame Nutzung, bei anderen um das Weitergeben gebrauchter Gegenstände an weitere Nutzer; es kann um materielle oder virtuelle Güter gehen bis hin zu Dienstleistungen, Wissen und Fähigkeiten – wie etwa bei der Reparatur kaputter Gegenstände.

Ein weiteres gemeinsames Merkmal ist, dass die praktische Abwicklung über Internetplattformen stattfindet. Ihre Funktionen ermöglichen, dass einzelne Personen in direkten Austausch treten können.

Von Carsharing bis Second Hand

Carsharing-Dienste gehören zu den bekanntesten Beispielen für das systematische Teilen. Lange Zeit galt der Besitz eines eigenen Autos als wichtiges Statussysmbol. Studien zeigen, dass dies bei jüngeren Menschen immer weniger der Fall ist.

Es gibt eine Reihe von kommerziellen Carsharing-Anbietern. Die Nutzer/-innen registrieren sich dort. Wenn sie ein Auto brauchen, reservieren sie es online oder per App und holen es ab. Die Gebühren werden automatisch abgerechnet. Bei manchen Anbietern werden die Fahrzeuge an festgelegten Stationen abgeholt und wieder abgestellt. Bei anderen können die Fahrzeuge flexibel in einem bestimmten Gebiet geparkt werden. Wer ein Auto braucht, lässt sich per App die Fahrzeuge in der Nähe auf einer Karte anzeigen.

Daneben gibt es auch Carsharing-Plattformen für private Fahrzeuge. Wer ein Auto besitzt und es nicht ständig selbst braucht, kann es über diese Dienste an andere vermieten.

Fast schon klassisch sind dagegen Fahrgemeinschaften und Mitfahrzentralen. Auch für sie gibt es spezielle Internetplattformen. In den vergangenen Jahren sind in diesem Bereich vor allem in den USA neue Plattformen entstanden. Sie werden als „Ridesharing“-Dienste bezeichnet.

Ein weiteres bekanntes Beispiel ist die Vermittlung von privaten Unterkünften.

Daneben gibt es eine große Bandbreite von Plattformen für Gebrauchsgüter. Sie reicht von Märkten für Second-Hand-Produkte über Tausch- und Schenkplattformen bis hin zu Formen des Mietens und Leihens. Es gibt spezialisierte Plattformen unter anderem für Kleidung, Bücher, Elektronik und Spielwaren.

Second-Hand-Plattformen ermöglichen eine längere Nutzung von Gegenständen. Für ihre Nutzer bieten sie finanzielle Vorteile und erleichtern es so, gesuchte Güter zu erwerben.

Ähnliches gilt für nicht kommerzielle Tauschbörsen. Zwar sind die Gegenstände noch exklusives Eigentum von Einzelnen – aber nur noch zeitweise. Auch hier zeigt sich eine alternative Haltung zum Konsum: Ein gebrauchtes Produkt hat seinen Wert, solange es seine Funktion erfüllt. Was man sich anschafft, muss nicht immer auch fabrikneu sein.

Herausforderungen und Kritik

Eine Reihe von Plattformen der „Sharing Economy“ sind in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten. Teilweise geht es dabei um Missbrauch der Plattformen, teilweise auch um problematische Entwicklungen, die mit der Nutzung einhergehen.

Ein Beispiel ist die Vermittlung von privaten Wohnungen auf Zeit. In vielen attraktiven Städten ist das Modell äußerst erfolgreich – was dazu geführt hat, dass Wohnraum immer knapper werde, so die Kritik. Denn die Vermietung kann ein sehr gutes Geschäft sein. Viele Wohnungen werden daher mittlerweile dauerhaft vermietet.

Auch einzelne Plattformen für Mitfahrgelegenheiten wurden in den vergangenen Jahren kontrovers diskutiert. Dazu gehörten vor allem neue sogenannte „Ridesharing“-Plattformen aus den USA. Dabei bieten private Fahrerinnen und Fahrer ihre Dienste und ihre Fahrzeuge an. In Deutschland führte dies vor allem zu Kritik, weil die Plattformen somit eine Art Taxidienst darstellen, aber die für Taxidienste geltenden Standards nicht einhalten.

Die „Sharing Economy“ könne zwar einerseits Märkte in Bewegung bringen, Arbeitsplätze schaffen und die Möglichkeiten des Konsums erweitern, so eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums. Andererseits könne es schwierig sein, Regeln durchzusetzen. Grundsätzlich sei es schwierig, die Chancen und Herausforderungen der „Sharing Economy“ abzuwägen, denn die Ansätze seien sehr heterogen.

Wie kann ich Teil der „Sharing Economy“ werden?

Die Möglichkeiten des Teilens, Leihens und Tauschens sind ungeheuer vielfältig. Viele Plattformen für Gebrauchtes lassen sich unkompliziert ausprobieren – sei es, um Dinge zu suchen oder um selbst etwas anzubieten. Das spart nicht nur Ressourcen im Vergleich zum Neukauf, sondern auch Geld. Zudem kann es viel Spaß machen.

Nicht immer sind spezielle Apps und Internetplattformen nötig. Wer einen Gebrauchsgegenstand benötigt, kann die Gelegenheit auch nutzen, sich in der Nachbarschaft oder auf dem nächsten Flohmarkt umzuschauen. Das ist neben dem ökologischen auch ein sozialer Gewinn.

Neben speziellen Plattformen bieten auch Nachbarschaftsgruppen in sozialen Netzwerken Möglichkeiten zum Leihen und Tauschen.

Weiterführende Links

Umweltbundesamt: Leihen, tauschen, teilen https://www.umweltbundesamt.de/themen/leihen-tauschen-teilen-0

Umweltbundesamt: Car-Sharing
https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-mobilitaet/car-sharing#angebotsformen-des-car-sharing

Bundeswirtschaftsministerium: Sharing Economy im Wirtschaftsraum Deutschland
https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Studien/sharing-economy-im-wirtschaftsraum-deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Umweltbundesamt: Soziale Innovationen im Aufwind
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/soziale_innovationen_im_aufwind_bf_1.pdf 

Quelle: https://www.umwelt-im-unterricht.de/hintergrund/nutzen-statt-besitzen-das-prinzip-der-sharing-economy/

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