Martina Becker ist Direktorin und Mitglied der Praxisgruppe Konsumgüter und Handel bei der Managementberatung Atreus. Im nachfolgenden Beitrag beschreibt sie, wie insbesondere die Handelsbranche mithilfe von Technologie den Wunsch der Konsumenten umsetzen kann.

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Mega-Trend, sondern die Basis für eine intakte Umwelt und eine gute Lebensqualität für kommende Generationen. Der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen und die Eindämmung des Klimawandels geht alle Marktbeteiligten etwas an. Angefangen vom nachhaltigen Konsum des Verbrauchers, der mit seinen Kaufentscheidungen bestimmt, was dauerhaft im Regal bleibt, ausgehend von der Produktherstellung und der Rohstoffbeschaffung bis zum Sortimentsangebot des Handels. Nachhaltigkeit meint das gleichzeitige Vorantreiben von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Daher hängt langfristig erfolgreiches wirtschaften und künftiger Wohlstand sowohl von der Verringerung von Treibhausgasen als auch vom Einhalten von Menschenrechten entlang der Lieferkette ab.

Transparenz über die eigene Lieferkette zu schaffen, digitale Lösungen für mehr Effizienz zu nutzen und die Risiken zu kennen, ist Voraussetzung, um Verbesserungspotentiale zu identifizieren und notwendige Innovationen zu entwickeln. Hierbei ist ein gutes Zusammenspiel von Handel und Lieferant entscheidend, um ein Maximum an Transparenz dem Verbraucher gegenüber darstellen zu können. Rein technologisch ist die Information über Herkunft, den CO2-Fußabdruck, Inhaltsstoffe und weitere relevante Produktinformationen sowohl auf dem Produkt als auch im Laden als Information transparent darstellbar. Hier bedarf es allerdings meistenteils noch der Investition sowohl auf Hersteller- als auch auf Händlerseite in die notwendige Lieferketten-Digitalisierung und der damit verbundenen erforderlichen Echtzeitdaten über das gesamte Beziehungsnetzwerk.  

Das Potential der Blockchain-Technologie im Handel

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) – das Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten – tritt am 1.1.2023 in Kraft. Es verpflichtet branchenunabhängig deutsche Unternehmen mit mehr als 3.000 Beschäftigten in ihren Lieferketten Menschenrechts- und Umweltrechtsverletzungen zu verhindern. Das hat zur Folge, dass Unternehmen, die bis dahin wenig Transparenz in ihren Lieferketten haben, Gefahr laufen, ihre Sorgfaltsplichten zu verletzten. Auf der anderen Seite birgt dies eine große Chance für Unternehmen, sich schnellstmöglich mit neuer Technologie darauf auszurichten und Verbesserungen als innovativen Wettbewerbsvorteil herauszustellen. Als Beispiel sei hier die Anwendung der Blockchain-Technologie genannt, die eine direkte Rückverfolgbarkeit der gesamten Lieferkette ermöglicht. Mit der Blockchain lassen sich die einzelnen Produktionsschritte von der ersten Stufe – wie zum Beispiel das Ernten von Baumwolle oder Kaffeebohnen – über die Verarbeitung bis hin zum Verkauf über eine Art dezentrales öffentliches Buchhaltungssystem dokumentieren. Hier wird über die Transparenz der Daten schnell klar, wo das Kleidungsstück oder der Kaffee herkommen, wo und unter welchen Bedingungen es verarbeitet wurde.   

Innovation fängt im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit dort an, wenn freiwillig nachhaltige Maßnahmen umgesetzt werden und nicht erst, wenn Gesetze es fordern. Hersteller und Händler tragen gemeinsam die Verantwortung, die Transparenz im Sinne der Nachhaltigkeit herzustellen und stetig an Verbesserungen zu arbeiten: Nur wenn Verbraucher aus einem nachhaltigen Warenangebot, etwa durch den Einsatz von weniger Plastik beziehungsweise mit einem geringen CO2-Fußabdruck hergestellt, auswählen kann, lässt sich eine bewusste Kaufentscheidung treffen. Nur wenn proaktiv an der Verbesserung einer Kreislaufwirtschaft von allen Marktbeteiligten gearbeitet wird, lassen sich Abfälle auf ein Minimum reduzieren und Treibhausgasemissionen senken. Es geht also darum, bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich zu teilen, leasen, wiederzuverwerten, zu reparieren, aufzuarbeiten und zu recyceln. Schon allein aus dem Modell der Kreislaufwirtschaft lassen sich neue innovative Angebote und Geschäftsmodelle entwickeln.

Führungskräfte und Belegschaft müssen in die Transformationsziele und Veränderungsprozesse einbezogen werden, um die Bereitschaft zum Wandel zu erzeugen. Demzufolge müssen Mitarbeiter von der Notwendigkeit der Veränderung überzeugt werden. Schnelle Veränderung funktioniert nur durch ein frühzeitiges und vorausschauendes Change-Management. Einfacher ist es oftmals, wenn durch eine externe und professionelle Unterstützung, beispielsweise in Form eines erfahrenen Change Leaders bzw. Managers, die Transformation hin zu einem nachhaltigen Unternehmen geführt oder begleitet wird. Das Thema mehr Nachhaltigkeit durch die gesamte Lieferkette eignet sich ideal, weil es in den nächsten Jahren weiter an Relevanz gewinnt und jeder Einzelne an einer guten Lebensqualität per se interessiert ist, die Auswirkungen des Klimawandels kennt und viele ihren Beitrag mit bewussten Kaufentscheidungen dazu leisten möchten.

Transparenz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind die Schlüsselbegriffe, um mit Nachhaltigkeit bei den Kunden Erfolg zu haben. Bei der Vielzahl unterschiedlichster Produkte und zig Marken fällt es Konsumenten oft schwer zu beurteilen, wie nachhaltig ein Produkt beziehungsweise das Angebot einer Einkaufsstätte oder eines Online-Shops wirklich ist. Nur wer auf maximale Transparenz setzt, ist für Kunden glaubwürdig und kann sie an sich binden:

  • Warum nicht heute schon über den CO2-Fußabdruck der Produkte und Services informieren?
  • Warum nicht heute schon Maßnahmen initiieren, die Abfall und Energieverbrauch senken?
  • Warum nicht heute schon mehr Wertschöpfung in den Ländern schaffen, wo der Rohstoff herkommt, in dem die Produkte dort menschenwürdig verarbeitet werden, wo sie geerntet oder hergestellt werden?
  • Warum nicht heute schon über Produkte und Dienstleistungen und Nachhaltigkeits-Maßnahmen für eine transparente, nachhaltige Lieferkette informieren, die vom Kunden auf dem Etikett oder per QR-Code eingesehen werden kann?

Es geht darum, offen über nachhaltige Initiativen und Maßnahmen zu kommunizieren und dass man die Entwicklung der Nachhaltigkeitsanstrengungen über die Jahre transparent macht. Transparenz und Glaubwürdigkeit schafft Vertrauen und daher Kundenbindung. 

Megatrends in der Handelsbranche

Neben dem wichtigen Megatrend Nachhaltigkeit sind Omnichannel-Retailing und als jeweiliger Enabler die Digitalisierung die entscheidenden drei Megatrends und Erfolgsfaktoren für die Handels- als auch Konsumgüterbranche. Bei der Konsumgüterbranche kommt noch das Direct-to-Consumer-Geschäft hinzu, weil immer mehr Hersteller auch die direkte Absatzmöglichkeit über den eigenen Onlineshop oder E-Commerce Marktplatz-Anbindungen für sich erkennen und nutzen.

Kunden erwarten ein nahtloses und intuitives Einkaufserlebnis. Sie nutzen beim Einkaufen nicht nur einen Kanal. Auf der Website, der mobilen App, auf dem Tablet oder vor Ort im Geschäft informieren sie sich über Produkte, bestellen via Smartphone und holen die Ware im Geschäft ab. Ein modernes Omnichannel-Management mit reibungslosen Features wie Ship-from-Store oder Click & Collect ist eine Lösung, den steigenden Kundenanforderungen für ein durchgängiges Customer-Touchpoint-Management gerecht zu werden.

Kundenerlebnisse können dann optimiert werden, wenn alle verfügbaren Daten des Kunden gesammelt und zentralisiert werden. So lassen sich Interaktionen mit dem Kunden ermöglichen, Trends und Bedürfnisse schneller erkennen und die Ansprache an bestimmte Kundenzielgruppen für das digitale Marketing personalisieren.

Ziel ist für eine einzigartige Customer-Experience in dem immer kürzeren Aufmerksamkeitsfenster der Kunden – in Echtzeit – Impulse und Antworten zu geben. Dies auch noch unter optimierter Kosteneffizienz sicherstellen zu können, erfordert eine digitale Transformation und ein radikales Umdenken, wie eine Organisation Technologie, Menschen und Prozesse einsetzt.

Erfolgreiches Change-Management setzt erstens Offenheit im Umgang mit Veränderungen voraus. Transparenz darüber, wo ein Unternehmen steht, welche Herausforderungen es gibt und was die Ziele und Wege sind, mit einer Krise umzugehen, haben Führungskräfte nicht zuletzt durch die Corona-Krise lernen müssen. Durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine werden die ohnehin angespannten Lieferketten noch weitreichender gestört.

Daher ist zweitens ein Antizipieren der Situation, das heißt die proaktive Beobachtung der Umwelt sowie des eigenen Unternehmens im Hinblick auf Veränderung innerhalb und außerhalb der eigenen Branche wichtiger als je zuvor. Drittes ist die Entscheidungsfähigkeit, das Ausbalancieren von kurz- und langfristigen Daten und Werten unter Einbezug alternativer Optionen, ein strategischer Erfolgsfaktor. Und last but not least ist die Lernfähigkeit wichtig, das heißt, das kontinuierliche Reflektieren vergangener Erfolge und Misserfolge, um die Leistung und Entscheidungsfindung zu verbessern.


Durch den verstärkten Wettbewerb im B2B-Onlinehandel verlieren Lieferantenbeziehungen an Relevanz. Wie Großhändler dieser Entwicklung begegnen können, zeigt eine Studie von ECC KÖLN und Adobe.

Wer kriegt die Kund:innen – und wie? Die fortschreitende Digitalisierung verschärft den Wettbewerb auch im B2B-Umfeld. Lieferantenbeziehungen sind heute weniger eng als noch vor zwei Jahren und was im B2C-Handel schon länger beobachtet wird, erreicht nun auch das Geschäftskundenumfeld: Für Anbieter wird es zunehmend schwieriger, nur mit Produkten zu begeistern.

Im dritten Teil der Studienreihe „Der moderne B2B-Einkauf“ untersuchen das ECC KÖLN und Adobe daher, inwiefern (digitale) Services als Katalysator in der Kundenbindung dienen können. Fazit: Richtige Kundenbindungsmaßnahmen können in Zukunft erfolgsentscheidend werden. Dabei sollte insbesondere auf Verbundenheit – also die freiwillige wiederholte Entscheidung der Kund:innen für einen Anbieter – gesetzt werden.

Service sells – immer und überall

Verbundenheit und positive Kundenerlebnisse können in allen Phasen der digitalen Customer Journey geschaffen werden. Während Beschaffer:innen während der Vorkaufphase insbesondere durch Verfügbarkeitsanzeigen online oder im Geschäft sowie Produktfinder überzeugt werden können, punktet die Möglichkeit einer Schnellbestellung innerhalb der Kaufphase bei Einkäufer:innen aller Generationen. Übergreifend bewerten sie zudem einen Chat mit Mitarbeiter:innen des Kundenservices als relevant. Ein Blick auf die verschiedenen Generationen offenbart zudem, dass jüngere Einkäufer:innen der Generationen Y und Z* weiteren, innovativeren Services sowie Automatisierungen eine größere Relevanz zuschreiben.

B2C setzt Maßstäbe

Das private Einkaufsverhalten hat einen großen Einfluss auf das geschäftliche Beschaffungsverhalten – nicht nur in den Generationen Y und Z, die Teil zwei der Studienreihe schwerpunktmäßig unter die Lupe genommen hat. Beruflich genutzte Kundenportale werden (un)bewusst mit jenen aus dem privaten Umfeld verglichen. Insbesondere beim Vergleich mit Amazon bemängeln 65 Prozent der Beschaffer:innen, dass ihr privater Kundenbereich beim Onlineriesen mindestens doppelt so viele Informationen bietet, wie die beruflich genutzten Kundenportale.

„Alte Bestellungen anschauen, Zahlungseinstellungen ändern, Abobestellungen anpassen oder alternative Versandadressen hinzufügen – für Kund:innen von Amazon selbstverständlich. Und auf digitale Services und Informationen, die im privaten Umfeld tagtäglich nutzbar sind, möchten auch im beruflichen Kontext die wenigsten Kund:innen verzichten. Der Kundenanspruch, effektiv und frustfrei Bestellungen zu verwalten, wird von B2B-Herstellern und -Händlern aber noch viel zu wenig erfüllt. Für die nachhaltige Kundenbindung von B2B-Einkäufer:innen ist der einfache Zugang zu Informationen und Services jedoch essentiell“, ordnet Michael Mertens, Projektmanager & B2B Commerce Expert, die Ergebnisse der Studie ein.



Ausblick: Künstliche Intelligenz

Unternehmen, die langfristig erfolgreich sein möchten, sollten auf künstliche Intelligenz (KI) setzen – so die Einschätzung von fast dreiviertel der im Rahmen der Studie befragten Beschaffer:innen (73 %). Der Einsatz von KI wird aus Sicht der überwiegenden Mehrheit der Befragten (79 %) insbesondere den Beschaffungsprozess von häufig benötigten Produkten mit niedrigerem Warenwert innerhalb der nächsten fünf Jahre stark automatisieren. Ob KI den Beschaffungsprozess auch revolutionieren und als Gamechanger fungieren wird, bleibt abzuwarten.

„Erwartungen aus dem Consumer-Bereich halten Einzug in den digitalen B2B-Beschaffungsprozess. Mit unserer Studie geben wir Händler:innen konkrete Empfehlungen an die Hand, was Kund:innen von einer überzeugenden B2B Customer Journey erwarten. Schnellbestellungen, Chats mit dem Kundenservice und personalisierte Ansprachen zählen zu den wichtigsten Erwartungen an einen Onlineshop“, erklärt Melissa Fröhlich, Solutions Consultant bei Adobe.

Über die Studienreihe

In der dreiteiligen Studienreihe „Der moderne B2B-Einkauf“ untersuchen das ECC KÖLN und Adobe das Informations- und Beschaffungsverhalten im beruflichen Umfeld sowie die Auswirkungen von digitalen Dienstleistungen auf den B2B-Einkauf. Hierfür wurden 529 (Mit-)Entscheider:innen aus verschiedenen Branchen beim Einkauf von eher häufig benötigten Produkten mit niedrigerem Warenwert und unregelmäßigem Bedarf aus unterschiedlichen Produktkategorien online befragt. Teil drei widmet sich dabei dem Schwerpunktthema „Services als Kundenbindungsinstrument“.

* Zur Generation Y zählen in dieser Studie die Jahrgänge 1980 bis 1994 (aktuelles Alter zwischen 27 und 41 Jahren; zur Generation Z die Jahrgänge 1995 bis 2010 (aktuelles Alter zwischen 11 und 26 Jahren). Das Mindestalter der Generation Z liegt in dieser Studie bei 18 Jahren.

Download:

Die Ergebnisse der Studie stehen hier zum Download zur Verfügung.

ECC KÖLN

Mehr unter: www.ecckoeln.de

Über Adobe Commerce

Weitere Informationen unter https://adobe.ly/3jjoi7J

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Europäisches Lieferkettengesetz: HDE warnt vor unrealistischen Anforderungen an Handelsunternehmen

Den heute von der Europäischen Kommission vorgestellten Richtlinienentwurf zur nachhaltigen Unternehmensführung bewertet der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisch. Nach Einschätzung des Verbandes sind die weitreichenden Anforderungen zur Sorgfaltsprüfpflicht in der gesamten Wertschöpfungskette in der Praxis insbesondere für mittelständische Handelsunternehmen nicht umsetzbar. Auch mit Blick auf die vorgesehene zivilrechtliche Haftung warnt der HDE vor unrealistischen Forderungen an Händlerinnen und Händler.

„Europa muss seiner Verantwortung und seinem globalen Einfluss gerecht werden. Allerdings müssen unternehmerische Sorgfaltspflichten umsetzbar sein und den Unternehmen Rechtssicherheit geben.“

Antje Gerstein

„Europa muss seiner Verantwortung und seinem globalen Einfluss gerecht werden. Allerdings müssen unternehmerische Sorgfaltspflichten umsetzbar sein und den Unternehmen Rechtssicherheit geben“, so Antje Gerstein, HDE-Geschäftsführerin Europa und Nachhaltigkeit. Unrealistische Anforderungen an Sorgfaltspflichten in der Lieferkette würden vor allem international vernetzte Handelsunternehmen aus dem Mittelstand zum Rückzug aus bestimmten Märkten bewegen, um Risiken zu vermeiden. Damit erweise man der globalen Durchsetzung von Menschenrechten keinen Dienst. „Das Ziel des europäischen Lieferkettengesetzes sollte eine positive Wirkung auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitskräften entlang der gesamten Lieferkette sein. Hiervon ist der aktuelle Kommissionsentwurf weit entfernt“, so Gerstein weiter.

Im weiteren Gesetzgebungsverfahren ist aus Sicht des HDE eine stärkere Berücksichtigung der Komplexität von Lieferketten in den Anforderungskriterien notwendig. Zudem dürften keine unrealistischen Forderungen an die Nachverfolgung von Lieferungen auf mehreren Stufen entlang der Wertschöpfungskette gestellt werden. Unternehmen rechenschafts-und haftungspflichtig gegenüber jeglichen Beziehungen in ihren Wertschöpfungsketten zu machen, sei nicht sinnvoll.

Laut der EU-Kommission sollen generell Unternehmen ab 500 Beschäftigten und Unternehmen aus bestimmten Sektoren wie Textil, Leder oder Nahrungsmittel schon ab 250 Beschäftigten ihrer menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltsprüfpflicht in der gesamten Wertschöpfungskette, einschließlich der Entsorgung, nachkommen. Zudem sollen die EU-Mitgliedstaaten neben Sanktionen und Geldbußen auch eine zivilrechtliche Haftung für Unternehmen vorsehen, die nachweislich nicht angemessen ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sind und deren Zulieferer für Umweltverschmutzungen und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind. Die Unternehmensstrategie soll zukünftig die Geschäftsleitung verantworten. Hierfür ist im Regelungsentwurf eine Verknüpfung von Nachhaltigkeitszielen mit Haftungs- oder Vergütungsregeln für die Geschäftsführung vorgesehen. Damit gehen die geforderten Standards an vielen Stellen weit über das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) hinaus.

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Der Retail Store der Zukunft oder: wie der stationäre Handel auch in Zeiten des Onlineshoppings attraktiv bleiben kann

Online boomt. Nicht erst seit der Coronakrise verzeichnen online Pure-Player traumhafte Wachstumszahlen, von denen so mancher Retailer mit Fokus auf stationäre Shops träumt. Als die letzten Hürden der Lockdown-Beschränkungen fielen, strömten die Kunden wieder in die Geschäfte der Innenstädte.

Ein IFO-Index von 101,8 (Stand: Juni 2021; das sind +16 Zähler mehr als im gleichen Monat vor einem Jahr*) bestätigt das Bauchgefühl: Retail-Stores haben keineswegs ausgedient. Ganz im Gegenteil: derzeit berät Wirtschaftsminister Altmaier mit den Größen des Handels über die „Stadt der Zukunft“. Schon vor dem „Brandbeschleuniger“ Corona war abzusehen, dass der stationäre Handel sich mit höherem Tempo gen Zukunft wenden muss, sollen ihm nicht die disruptiven Onlinern dieser Welt den Rang ablaufen.


“…ohne Online geht es nicht mehr. Die intelligente Verknüpfung beider Kanäle ist deswegen der goldene Königsweg.”

Autor:
Lutz Hollmann-Raabe, CSO/COO Bütema AG

Wunderwaffe Beratung

Doch warum steigt der Kunde in sein Auto/auf sein Rad/in die Bahn und nimmt sich diese wertvolle Lebenszeit, um genau zu diesem einen Store zu fahren, wenn er doch mit 99%-iger Sicherheit das Produkt auch online kaufen kann? „Weil er ‚offline‘ eine Beratung bekommt, die er im World Wide Web oder in der App nicht genießen kann‘ ist ein oft angeführter Grund. Doch auch die Onliner haben diesen Manko natürlich bereits verinnerlicht und arbeiten daran, hier mit dem Retail-Handel en par zu kommen.

Umso wichtiger ist es deshalb, das wertvolle Personal auf der Fläche nicht nur mit guten Schulungen zu versorgen, sondern ihm auch jene moderne Hilfsmittel an die Hand zu geben, die die Verkäufer*innen quasi zur Super-Geheimwaffe boosten.

Hierfür gibt es z.B. den InStore Assistant, der in einer App sowohl die ‚digitale Regalverlängerung‘, wie auch alle warenwirtschaftliche Prozesse abbilden kann und somit gerade für Up- und Cross-Selling perfekt geeignet. Wichtig ist dabei, dass eine solche App intuitiv und vollständig ist. Kein Store Assistent hat Lust, sich erstens mit einer tagelangen Einarbeitung rumzuschlagen und zweitens womöglich 30 verschiedene Apps für 60 verschiedene tägliche To-Dos anzueignen.

„Think local – act global“

Dennoch weiß spätestens jetzt jeder Offliner: ohne Online geht es nicht mehr. Die intelligente Verknüpfung beider Kanäle ist deswegen der goldene Königsweg. Ein zusätzliches Online-Angebot hilft außerdem, die Warendichte auf der Fläche zu reduzieren. Denn die alte Devise ‚mehr ist mehr‘ hat ebenso ausgedient wie die Annahme, dass die (Konsum-)Welt vor den eigenen Stadttoren endet.

Greifen wir noch einmal das Buzzword „Digitale Regalverlängerung“ auf: Ware von der Fläche zu nehmen und damit den einzelnen Produkten wörtlich mehr Raum zum Atmen zu geben (sprich: sie zur Geltung kommen zu lassen) geht dann einher mit einer potenziell expandierenden Käuferschaft, wenn das gesamte Angebot online abgebildet werden kann.

Gibt man dann dem Kunden direkt im Laden noch die Möglichkeit, unkompliziert und vielleicht sogar spielerisch auf das vollständige Sortiment zuzugreifen, schließt sich der Kreis. Möglich wird dies zum Beispiel mit Self Service Terminals, über die Kunden auch ohne Berater an der Seite durch die Angebote browsen können. Self Service Angebote können auch mit Gamification aufgeladen werden, wie der Interaktive Spiegel (das Touch-Display ist hier in einen Spiegel eingelassen, der z.B. in der Umkleidekabine steht) oder das Interaktive Schaufenster (das via 8 Buttons navigiert werden kann, und zwar 24/7 also auch außerhalb der Öffnungszeiten).

Bewegtbild bewegt.

Zuletzt ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Weg genau das in den Store zu transportieren, was Online eigentlich immer gut läuft: minutengenaue Updates und Bewegtbild. Der große Vorteil des Internets ist seine Schnelligkeit und die Abbildung verschiedener Medienformen, wie eben Videos. Doch warum sollte der Einzelhandel auf diese Vorzüge verzichten? Digital Signage Bildschirme – heute in allen möglichen Größen, Formen und Varianten erhältlich – können Dank guter Software heute so gesteuert werden, dass sie auf Lagerschwankungen, SALE-Artikel und sogar das Wetter automatisch reagieren und passende Inhalte ausspielen.

Wunscherfüller werden

Der Vorschlag: „gebt dem Kunden, was der Kunde sich wünscht“ klingt vielleicht banal simpel, wird jedoch nicht so konsequent umgesetzt, wie man manchmal glauben mag. Einer dieser Herzenswünsche ist der vermehrte Einsatz neuer Kassensysteme. Bekannt aus Super- und Baumärkten setzen sich hier langsam, aber sicher die Self Checkouts („Selbstbedienungskassen“) durch. Der Kunden scannt und bezahlt seine Ware ohne Zutun eine*r Kassierer*in.

Oft ist für 4 bis 6 Kassen nur ein Mitarbeiter als Aufsicht und als Helfer im Problemfall zuständig. Jene somit entlasteten Kollegen können als Berater auf der Fläche eingesetzt werden – eine Win-Win-Situation sowohl für den Retailer als auch die Kunden.

Eine andere Art des modernen Kassensystems ist die Mobile Checkout Kasse, die den Bezahlvorgang vollständig in den Händen des Kundenberaters lässt. Denkbar vor allem in Premium-Häusers, die sowieso schon auf enge Kundenberatung setzen, muss hier der Kaufende gar nicht erst an die stationäre Kasse – und somit womöglich in eine lange Schlange – geschickt werden, sondern kann die Ware, die er zusammen mit ‚seinem‘ dedizierten Berater rausgesucht hat, auch direkt bei ihm oder ihr bezahlen. Dies funktioniert bargeldlos per mobilem Kartenterminal in Verbindung mit der geeigneten App. Eine Lösung, die nicht nur das lästige Anstehen an der Kasse obsolet macht, sondern das Einkaufserlebnis sowohl auf Kunden- wie auch auf Verkäuferseite verschönert.

* Quelle: https://www.ifo.de/node/63824

https://www.buetema-ag.de/

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CC-BY-ND

Nutzen statt besitzen – das Prinzip der „Sharing Economy“

Teilen, Tauschen und Leihen gilt seit einigen Jahren als Trend und als Alternative zum „klassischen“ Konsum. Viele Apps und Online-Plattformen haben sich bereits etabliert. Wie können sie dazu beitragen, Ressourcen zu schonen und die Belastung von Umwelt und Klima zu verringern?

Ein eigenes Auto kaufen? Carsharing reicht vielleicht. Ein neues Outfit muss her? Sicher gibt es wieder ein paar schöne Sachen in der Internet-Kleiderbörse. Am Wochenende wird endlich das Regal angeschraubt? In der Online-Nachbarschaftsgruppe findet sich sicher jemand, der seine Bohrmaschine verleiht.

Diese Beispiele wirken alltäglich – doch sie werden häufig als Teil einer relativ neuen Entwicklung im Bereich des Konsums genannt, mit der viele Hoffnungen verbunden sind. Es geht um die sogenannte Sharing Economy (oft auch: „Shareconomy“). Der Begriff kann übersetzt werden mit „Wirtschaft des Teilens“. Dabei geht es um das gegenseitige Bereitstellen von Gegenständen oder auch Räumen. Das allein ist nicht neu, Bibliotheken zum Beispiel gibt es schließlich bereits seit Jahrtausenden. Beim Begriff der „Sharing Economy“ spielt jedoch auch das Internet eine wichtige Rolle.

Das Teilen, Tauschen und Leihen gilt seit einigen Jahren als Trend und als Alternative zum „klassischen“ Konsum. Vor einigen Jahren war der Begriff „Sharing Economy“ noch präsenter als heute. Im Jahr 2013 war er Thema der damals bedeutenden Elektronikmesse Cebit. Bereits 2011 zählte das Time-Magazine „Sharing“ zu den zehn herausragenden Ideen, die die Welt verändern werden.  

Das Prinzip ist heute nicht weniger relevant, im Gegenteil. In manchen Lebensbereichen ist es mittlerweile etabliert. Einzelne Plattformen sind bekannter als der Begriff „Sharing Economy“. Dazu zählen Airbnb, die Plattform zur Vermittlung von privaten Unterkünften, die Mitfahrzentrale Blablacar oder die Plattform Kleiderkreisel.

Mit dem Prinzip des systematischen Teilens werden einerseits verschiedene Hoffnungen verbunden, andererseits gibt es Kritik an einigen heute existierenden Plattformen. Ein Beispiel ist die Vermittlung von privaten Unterkünften. In einigen touristisch besonders attraktiven Regionen wird befürchtet, dass Wohnraum dauerhaft zweckentfremdet wird.

Auch einige sogenannte Ridesharing-Plattformen stehen in der Kritik. Sie vermitteln Fahrten in privaten PKW, wobei es zu Konflikten mit den geltenden Regeln für Fahrdienste kommen kann.

Doch viele Ansätze haben das Potenzial, Ressourcen zu schonen und die Belastung von Umwelt und Klima zu verringern. Hinzu kommt, dass sie neue Impulse für die Gesellschaft setzen können.

Konsum wird zur Belastungsprobe für die Umwelt

Ansätze zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs und von Umweltschäden im Bereich des Konsums sind grundsätzlich hochinteressant. Denn der Handlungsbedarf ist groß (siehe Hintergrundtext: Umweltbewusstsein, Konsumverhalten und nachhaltiger Konsum).

Was Menschen besitzen und wie sie konsumieren spielt eine wichtige Rolle für Wirtschaft und Gesellschaft – vor allem in den Industrieländern. 2019 machten private Konsumausgaben 52,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland aus. Zugleich hat intensiver Konsum weltweit ökologische und soziale Schattenseiten.

Insgesamt wird unser Konsumverhalten zu einer globalen Belastungsprobe für die Umwelt. Es wirkt sich zum Beispiel auf den Ausstoß von Treibhausgasen aus. Die jährlichen Emissionen pro Kopf liegen in Deutschland bei 11,61 Tonnen CO2-Äquivalenten. Damit sind sie fast doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt.

Die Konsumausgaben der Haushalte in Deutschland stiegen allein von 2014 bis 2019 um 14 Prozent. Dabei geben Haushalte mit höherem Einkommen mehr für Konsum aus. Damit geht ein höherer Energieverbrauch einher, und es werden mehr Umweltressourcen in Anspruch genommen.

Kritik an der „Wegwerfgesellschaft“

Insgesamt haben immer mehr Haushalte immer mehr Güter. Die Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte steigt, und ebenso steigt der Ausstattungsgrad der Haushalte.

Zudem werden viele Waren aufwändig produziert, aber nur relativ kurz und wenig genutzt – obwohl sie häufig eine längere Lebensdauer haben könnten. So enthalten Mobiltelefone wertvolle Rohstoffe und sind meist noch gebrauchstüchtig, wenn sie durch neue, modernere Geräte ersetzt werden. Das geschieht oft schon nach ein oder zwei Jahren. Längst nicht alle Produkte werden recycelt.

Jedes fünfte in Deutschland verkaufte Kleidungsstück wird so gut wie nie getragen. Viele Kleidungsstücke werden nur für eine Saison gekauft („Fast Fashion“) und qualitativ entsprechend nachlässig produziert. Solch ein Lebens- und Konsumstil, bei dem Produkte nur eine kurze Lebensdauer haben, wird von Kritikern auch mit dem Begriff der „Wegwerfgesellschaft“ beschrieben.

Welches Potenzial hat die „Sharing Economy“?

Teilen, Tauschen und Leihen ermöglichen es, Dinge und Räume effizienter zu nutzen. Das spart Ressourcen und verringert die Belastung für Umwelt und Klima.

Das Beispiel Carsharing veranschaulicht, welches Potenzial das Prinzip des Teilens hat. Ein privater PKW wird durchschnittlich nur eine Stunde am Tag bewegt. Er steht also 23 Stunden am Tag ungenutzt herum. Ein Carsharing-Fahrzeug kann mehrere private PKW ersetzen. Der Blaue Engel, das Umweltzeichen der Bundesregierung, hat Vergabekriterien für Carsharing-Anbieter.

Das Prinzip lässt sich auf vieles übertragen, unter anderem auf Bohrmaschinen. Dieses Beispiel nennt die US-amerikanische Trendforscherin Rachel Botsman, eine bekannte Verfechterin der „Sharing Economy“. Bohrmaschinen gibt es in sehr vielen Haushalten, doch sie kommen nur während eines Bruchteils ihrer gesamten Lebensdauer zum Einsatz.

Dabei brauchen wir nicht den Bohrer, sondern das Loch in der Wand.

Botsman meint, dass sich die Gesellschaft in einem Kulturwandel befindet, bei dem sich das Verhältnis der Menschen zu den Dingen radikal verändern wird. Der Besitz von neuen Produkten verliere an Bedeutung für sozialen Status und Alltagsleben, so Botsman. Nicht mehr das Eigentum an Dingen zähle, sondern der Zugang zu ihnen.

Wie erleichtert das Internet das „Teilen“?

Tausch- und Teilmodelle brauchen bestimmte Voraussetzungen, damit sie funktionieren. Eine entscheidende Voraussetzung ist Vertrauen. Traditionelle Formen des Teilens blieben meist auf die engen sozialen Zusammenhänge von Familie, Nachbarschaft und Freundeskreis begrenzt. Hier gründet das Vertrauen darauf, dass man einander kennt.

Eine weitere Voraussetzung ist, Partner zu finden: Wer hat, was ich brauche? Mit wem kann ich teilen?

Mit dem Internet sind die Möglichkeiten gewachsen, Dinge weiterzugeben oder gemeinsam zu nutzen – nicht nur mit Freunden, sondern auch mit Fremden. Plattformen zum Teilen umfassen in der Regel Funktionen, um Vertrauen herzustellen und Risiken zu minimieren.

Und sie müssen einen ausreichend großen Markt schaffen. Es ist eine kritische Masse von Teilnehmenden nötig, damit sich das Angebot für alle lohnt.

Eine Möglichkeit, Vertrauen unter einander unbekannten Menschen aufzubauen, wird von zahlreichen Plattformen verwendet: Nutzerinnen und Nutzer bewerten und kommentieren einander. Die Zahlungsvorgänge werden über die Plattform organisiert, es gibt zum Teil Sicherungsmaßnahmen gegen Zahlungsausfälle.

Was sind die zentralen Merkmale der „Sharing Economy“?

In der Praxis wird eine große Vielfalt von Möglichkeiten der „Sharing Economy“ zugerechnet. Gemeinsam ist ihnen, dass es um das Teilen und Weitergeben geht – in Abgrenzung zum exklusiven Besitzen.

Manche Projekte sind kommerziell, andere nicht kommerziell; bei manchen Ideen geht es um die gemeinsame Nutzung, bei anderen um das Weitergeben gebrauchter Gegenstände an weitere Nutzer; es kann um materielle oder virtuelle Güter gehen bis hin zu Dienstleistungen, Wissen und Fähigkeiten – wie etwa bei der Reparatur kaputter Gegenstände.

Ein weiteres gemeinsames Merkmal ist, dass die praktische Abwicklung über Internetplattformen stattfindet. Ihre Funktionen ermöglichen, dass einzelne Personen in direkten Austausch treten können.

Von Carsharing bis Second Hand

Carsharing-Dienste gehören zu den bekanntesten Beispielen für das systematische Teilen. Lange Zeit galt der Besitz eines eigenen Autos als wichtiges Statussysmbol. Studien zeigen, dass dies bei jüngeren Menschen immer weniger der Fall ist.

Es gibt eine Reihe von kommerziellen Carsharing-Anbietern. Die Nutzer/-innen registrieren sich dort. Wenn sie ein Auto brauchen, reservieren sie es online oder per App und holen es ab. Die Gebühren werden automatisch abgerechnet. Bei manchen Anbietern werden die Fahrzeuge an festgelegten Stationen abgeholt und wieder abgestellt. Bei anderen können die Fahrzeuge flexibel in einem bestimmten Gebiet geparkt werden. Wer ein Auto braucht, lässt sich per App die Fahrzeuge in der Nähe auf einer Karte anzeigen.

Daneben gibt es auch Carsharing-Plattformen für private Fahrzeuge. Wer ein Auto besitzt und es nicht ständig selbst braucht, kann es über diese Dienste an andere vermieten.

Fast schon klassisch sind dagegen Fahrgemeinschaften und Mitfahrzentralen. Auch für sie gibt es spezielle Internetplattformen. In den vergangenen Jahren sind in diesem Bereich vor allem in den USA neue Plattformen entstanden. Sie werden als „Ridesharing“-Dienste bezeichnet.

Ein weiteres bekanntes Beispiel ist die Vermittlung von privaten Unterkünften.

Daneben gibt es eine große Bandbreite von Plattformen für Gebrauchsgüter. Sie reicht von Märkten für Second-Hand-Produkte über Tausch- und Schenkplattformen bis hin zu Formen des Mietens und Leihens. Es gibt spezialisierte Plattformen unter anderem für Kleidung, Bücher, Elektronik und Spielwaren.

Second-Hand-Plattformen ermöglichen eine längere Nutzung von Gegenständen. Für ihre Nutzer bieten sie finanzielle Vorteile und erleichtern es so, gesuchte Güter zu erwerben.

Ähnliches gilt für nicht kommerzielle Tauschbörsen. Zwar sind die Gegenstände noch exklusives Eigentum von Einzelnen – aber nur noch zeitweise. Auch hier zeigt sich eine alternative Haltung zum Konsum: Ein gebrauchtes Produkt hat seinen Wert, solange es seine Funktion erfüllt. Was man sich anschafft, muss nicht immer auch fabrikneu sein.

Herausforderungen und Kritik

Eine Reihe von Plattformen der „Sharing Economy“ sind in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten. Teilweise geht es dabei um Missbrauch der Plattformen, teilweise auch um problematische Entwicklungen, die mit der Nutzung einhergehen.

Ein Beispiel ist die Vermittlung von privaten Wohnungen auf Zeit. In vielen attraktiven Städten ist das Modell äußerst erfolgreich – was dazu geführt hat, dass Wohnraum immer knapper werde, so die Kritik. Denn die Vermietung kann ein sehr gutes Geschäft sein. Viele Wohnungen werden daher mittlerweile dauerhaft vermietet.

Auch einzelne Plattformen für Mitfahrgelegenheiten wurden in den vergangenen Jahren kontrovers diskutiert. Dazu gehörten vor allem neue sogenannte „Ridesharing“-Plattformen aus den USA. Dabei bieten private Fahrerinnen und Fahrer ihre Dienste und ihre Fahrzeuge an. In Deutschland führte dies vor allem zu Kritik, weil die Plattformen somit eine Art Taxidienst darstellen, aber die für Taxidienste geltenden Standards nicht einhalten.

Die „Sharing Economy“ könne zwar einerseits Märkte in Bewegung bringen, Arbeitsplätze schaffen und die Möglichkeiten des Konsums erweitern, so eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums. Andererseits könne es schwierig sein, Regeln durchzusetzen. Grundsätzlich sei es schwierig, die Chancen und Herausforderungen der „Sharing Economy“ abzuwägen, denn die Ansätze seien sehr heterogen.

Wie kann ich Teil der „Sharing Economy“ werden?

Die Möglichkeiten des Teilens, Leihens und Tauschens sind ungeheuer vielfältig. Viele Plattformen für Gebrauchtes lassen sich unkompliziert ausprobieren – sei es, um Dinge zu suchen oder um selbst etwas anzubieten. Das spart nicht nur Ressourcen im Vergleich zum Neukauf, sondern auch Geld. Zudem kann es viel Spaß machen.

Nicht immer sind spezielle Apps und Internetplattformen nötig. Wer einen Gebrauchsgegenstand benötigt, kann die Gelegenheit auch nutzen, sich in der Nachbarschaft oder auf dem nächsten Flohmarkt umzuschauen. Das ist neben dem ökologischen auch ein sozialer Gewinn.

Neben speziellen Plattformen bieten auch Nachbarschaftsgruppen in sozialen Netzwerken Möglichkeiten zum Leihen und Tauschen.

Weiterführende Links

Umweltbundesamt: Leihen, tauschen, teilen https://www.umweltbundesamt.de/themen/leihen-tauschen-teilen-0

Umweltbundesamt: Car-Sharing
https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-mobilitaet/car-sharing#angebotsformen-des-car-sharing

Bundeswirtschaftsministerium: Sharing Economy im Wirtschaftsraum Deutschland
https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Studien/sharing-economy-im-wirtschaftsraum-deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Umweltbundesamt: Soziale Innovationen im Aufwind
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/soziale_innovationen_im_aufwind_bf_1.pdf 

Quelle: https://www.umwelt-im-unterricht.de/hintergrund/nutzen-statt-besitzen-das-prinzip-der-sharing-economy/

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