Deutschland ist heute vernetzter denn je. Händler, die nicht hochflexibel alle On- und Offlinekanäle bedienen, bekommen ein ernstes Problem.
Der Handel steckt mitten in einer Revolution. Anführer ist der Kunde. Er kauft an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr, mit diversen Bezahlvorlieben auf etlichen Kanälen ein – stationär, online und immer öfter mobil. Der „Channel-Hopper“ möchte möglichst bequem, preisgünstig und mit bestem Service einkaufen. Händler, die nicht hochflexibel alle On- und Offlinekanäle bedienen, bekommen ein ernstes Problem. Auf was es jetzt ankommt, ist, unterschiedliche Absatzkanäle intelligent zu vernetzen – bruchlos, sicher, komfortabel. Die Zukunft gehört dem Multi-Channel-Vertrieb, also dem Verkauf auf mehreren Online- und Offline-Kanälen.
Consumer BarometerBranchenkenner sprechen längst von einer „digitalen Revolution im Einzelhandel“, bei der zunehmend auch Wearables eine treibende Rolle spielen werden, hin zu personalisierten Angeboten und individuellen Preisen, die dem Einkaufsverhalten des Kunden entsprechen und die er auf das Smartphone gesendet bekommt.
Bereits heute macht der Online-Handel mehr als zehn Prozent des gesamten Handelsvolumens in Europa aus – dieser Anteil könnte bis 2025 auf bis zu 40  Prozent, in den heutigen Schwellenländern auf bis zu 30 Prozent, steigen, heißt es in der Studie „Global E-Tailing 2025“ von der Deutschen Post DHL. Sprich: Der Online-Handel wird nicht nur in den Industrienationen an Bedeutung gewinnen, sondern auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern, und zwar weitaus stärker als bisher angenommen.
Erwartbar ist auch hier, dass sehr stark mobil eingekauft werden wird. „Die Zeit, in der browserbasierte Onlineshops das Maß aller Dinge im digitalen Handel waren, ist vorbei“, bemerkt Dirk Hörig, CEO und Mitgründer von commercetools, einem Anbieter von cloudbasierten E-Commerce-Lösungen. „Mobile Anwendungen und immer neue Eingabegeräte verändern grundlegend die Art und Weise, wie und wo wir einkaufen“, sagt Hörig. Kunden werden sich in Zukunft jenen Anbietern zuwenden, die Information, Inspiration und Unterhaltung so kombinieren, dass ihr Angebot ein unverzichtbarer Bestandteil ihres Lebens wird, ist Hörig überzeugt: „Längst geht es nicht mehr darum, als Händler und Hersteller einzelne Puzzle-Teile in hoher Qualität zu liefern – wichtiger und nachhaltiger ist das Gesamtbild.“
Und zu dem gehört auch eine aussagekräftige Bebilderung der Produkte, sofern diese digital präsentiert werden. Mitunter entscheidet sie über Kauf oder Abbruch und somit direkt über den Geschäftserfolg: „In unterschiedlichen Absatzmärkten gibt es umfangreiche Studien zur Rolle der Bebilderung beim Produktverkauf. Übereinstimmend ist der Tenor, dass in allen Märkten die Bebilderung beziehungsweise die Bildauswahl im Extremfall bis zu 20 Prozent des Absatzes mitbestimmt oder direkt verursacht“, erklärt Ralph Kissner, Geschäftsführer der Six Offene Systeme GmbH. Damit rücken schlanke und schnelle Prozesse der Bildbeschaffung und -auswahl auf die Agenda der Unternehmen.

Wettbewerbsvorteil durch Omni-Channeling

Die Zukunft des Handels liegt in der durchgängigen Einkaufserfahrung vom Webshop über mobiles Shoppen bis hin zur Erlebniswelt Store. Damit wird das Ladengeschäft nicht aussterben, denn hier findet qualifizierte Beratung statt, hier können Waren ausprobiert, abgeholt oder zurückbracht werden. Es gilt gegenüber reinen Webshops einen Wettbewerbsvorteil durch Omni-Channeling zu bieten, Mehrwert zu schaffen, der Kunden bindet. Mobile Endgeräte und cloudbasierte Dienste wie Social Media sind die wichtigsten Werkzeuge des künftigen Kunden und charakterisieren seine Customer-Journey. Wohin die Reise geht, bestimmt vorrangig der Kunde und nicht der Anbieter. Daran wird sich der Handel gewöhnen und darauf reagieren müssen. Weniger der Blick auf vermeintliche Zielgruppen wird für den Geschäftserfolg wesentlich sein, sondern treffsichere Touchpoints, Berührungspunkte, die dem Kunden offeriert werden, um mit dem Händler in Kontakt zu treten. Der Kunde kauft dort, wo es ihm gerade beliebt: mal online, mal stationär, per App oder Telefon – und genau dort werden erfolgreiche Händler präsent sein. Seine Einkäufe bezieht der Kunde ebenfalls dort, wo es ihm gerade beliebt – je nach Bedarf per Lieferung oder er holt sie im Geschäft ab, womit er unabhängig von Lieferterminen wird.
„Der Point of Sale wird von der New Economy immer noch unterschätzt“, sagte Dominik Dommick, Geschäftsführer von Payback im Gespräch mit der TREND-REPORT-Redaktion auf der diesjährigen dmexco 2015 in Köln „Dabei birgt der stationäre Einkauf ein enormes Potenzial für digitale Marketer und auch für den Handel selbst.“ Schließlich sorgten digitale Services am PoS dafür, den stationären Einkauf schneller und einfacher zu gestalten. Einen weiteren Schwerpunkt auf der dmexco setzt das Unternehmen mit einer der wichtigsten Neuerungen des Jahres 2016: Die Mobile-Payment-Lösung von Payback ermöglicht den 27 Millionen Kunden des führenden Bonusprogrammes zukünftig das Punktesammeln und Bezahlen per App in einem Schritt. „Payment alleine macht nicht glücklich“, so Dominik Dommick. „Wenn ich will, dass sich eine Neuerung durchsetzt, muss ich dem Kunden einen klaren Vorteil bieten. Zugleich muss er genau dann profitieren, wenn es für ihn relevant ist, die Innovation steckt also mitten im gewohnten Ablauf.“ Wie einige innovative Lösungen, etwa von Fraunhofer oder dem Berliner Start-up Phizzard, zeigen, schätzen Kunden digital vernetzte Stilberatung mittels Tablets und Touchscreens oder auch die einfache Online-Bestellung von Produkten, die im Laden gerade vergriffen sind. Bei Payback ist man überzeugt, dass der zunehmend intelligente Verkaufsraum, in dem Beratung, Unterhaltung und Interaktion stattfinden, das Einkaufserlebnis nachhaltig beeinflussen wird.

Online- und Offline: Zwei Welten?

 

Ulrich Eggert, Eggert Consulting

Ulrich Eggert, Eggert Consulting


Ulrich Eggert, Geschäftsführer von Eggert Consulting, hat für TREND REPORT einen Blick auf „die Zukunft des stationären Handels“ in Zeiten wachsenden E-Commerces geworfen. Das Ergebnis ist eine mehrseitige Trendstudie, die sich auf trendreport.de herunterladen lässt.
In seiner Beobachtung liegt die Chance für den stationären Handel darin, mit Beratung, Qualität und Kooperationen vor Ort die Kunden zu binden. Der stationäre Handel muss seine Potenziale diesbezüglich besser nutzen. Gleichwohl kann er von Online-Trends profitieren: So bieten sich mit Beacons, Apps und Social Media auch für den Fachhändler vor Ort schnell integrierbare Möglichkeiten, neue Kunden zu gewinnen und langfristig zu binden.
Weitere Informationen unter:
www.trendreport.de/trendstudie-handel-mit-zukunft

Auch die Art, wie wir bezahlen, wird sich grundlegend ändern: Die Kreditkarte wird in ihrer Plastikversion wohl nicht aussterben, doch zu ihr werden sich „virtuelle Kreditkarten“ gesellen, ist Andreas Stendera, Senior Vice President International Business B+S Card Service, überzeugt. Er denkt dabei unter anderem an Smart Devices wie Brille, Uhr oder Smartphone. Hinzu wird kontaktloses Bezahlen über „Near-Field-Communication“ (NFC) kommen: Die Experten von PricewaterhouseCoopers erwarten, dass die Kundenbasis für sämtliche Mobile- Payment-Angebote bis 2020 auf rund elf Millionen Verbraucher allein in Deutschland wachsen wird.
Mit diesem tiefgreifenden Wandel werden sich auch die Ströme des globalen Produktdatenaustausches verändern. „Ide­alerweise wird der Produktdatenaustausch Hand in Hand mit der Indus­trie 4.0 gehen“, sagt Stefan R. Steudel, Associate Partner bei Bayard Consulting. „Möglichst digital und automatisiert wer­den die IT-Systeme der verschie­denen Unternehmen sehr kleinteilig Daten im Anbau, in der Er­zeugung, Produktion und Distribution der Produkte erfassen und miteinander kommunizieren.“ Er hat die Vision, dass der Datenaustausch wie die menschliche Sprache künf­tig hochflexibel funktionieren wird. 
von Chris Löwer
c.loewer@trendreport.de
Bildquelle / Lizenz Aufmacher: Mike Beales; veröffentlicht unter: https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

Die Redaktion sprach mit Gerd Leonhard, Futurist, Zukunftsberater, internationaler Keynote-Speaker und Strategie-Coach, Autor und CEO von

„The Futures Agency“

über die vernetzte Gesellschaft, der Entwicklung hin zu Hypereffizienz und den damit möglichen Auswirkung auf unser Leben, unser Arbeiten, die Industrie und die Finanzmärkte.

 
Herr Leonhard, wie wird sich das Einkaufen in Zukunft gestalten?
In Zukunft wird zum Großteil alles Computing mobil sein. Ungefähr in fünf Jahren werden 80 Prozent aller Internetzugriffe von mobilen Endgeräten aus erfolgen. Dieser radikale Wandel ist bereits jetzt zu sehen: Diverse E-Commerce-Applikationen wie z.B. bei Amazon lassen das jetzt schon erahnen.
Wo wir heute noch ganz bescheiden, klassische Apps und Search-Engines nutzen um Waren ausfindig zu machen, werden zukünftig sprachgestütze Intelligent Agents für uns aktiv sein. Diese virtuellen Agenten, z.B. google.now oder Siri, denen eine Datenbasis zu Grunde liegt, kennen mich und meine Vorlieben in allen Details. Ob das nun gut oder schlecht ist, liegt im Auge des Betrachters.
Jedoch mit einem einfachen Satz wie, „Was empfiehlst du mir heute?“, findet die künstliche Intelligenz in Form dieser Agents den besten Deal für mich und erledigt meinen Einkauf. Diese Transaktionen werden in naher Zukunft völlig automatisiert ablaufen. Bereits jetzt beginnen alle großen E-Commerce und IT-Firmen in den USA, diese sog. Intelligence Digital Assistants, kurz IDA’s im B2B und B2C -Bereich einzusetzen.
Lassen Sie uns in die nahe Zukunft blicken: Sie sagen zu Siri: „Buche mir ein Ticket nach Mallorca, ein Hotel und den Mietwagen“. 15 Sekunden später ist der beste Deal gemacht! In den nächsten zwei Jahren wird man diese Vorgehensweise punktuell im Einsatz beobachten können und in fünf Jahren wird es Standard sein.
Die Shopping Agents, werden „convenient for consumers“, also angenehm und praktisch für Konsumenten. Der Virtuelle Agent kann eben 5 Millionen Datastreams rasant schnell durch klicken und aussagen, was jetzt gerade angesagt ist.
Wann wird uns die künstliche Intelligenz im täglichen Leben begleiten?
Erst mal muss man zwischen zwei Dingen unterscheiden. Einmal die AI, die Artificial Intelligence und dann die IA, die Intelligence Assistence.
Intelligence Assistence wird heute schon limitiert eingesetzt. Beispielsweise im Tesla; mit der dort eingesetzten IA, können sie sich bereits heute im Stau selbst fahren lassen. Aber nur im Stau und nur auf einer Spur, eben eine eingeschränkte Unterstützung.
Ein weiteres Beispiel für angewandte IA ist Watson von IBM, der z.B. im Krankenhaus eingesetzt wird. Der Arzt nutzt IBM’s Watson wie eine Art Powertool, ein superintelligenter Zeuge, der ihm bei der Diagnosestellung unterstützt.
Auch im B2B Bereich sind z.B. Tools für Banking, die automatisch Daten holen und weiterverarbeiten, heute schon im Einsatz und es werden immer schneller weitere kommen.
Artificial Intelligence hingegen, also richtige künstliche Intelligenz ist noch sehr weit entfernt. Die Art von „Cognitive Computing“, sprich Computer die Entscheidungen treffen können, die über ihre Programmierung hinaus gehen.
Ein Beispiel: Sie fahren mit dem selbstfahrenden Auto in die Eifel und begegnen einem Hasen. Jetzt muss das Auto entscheiden, ob es den Hasen überfährt oder anhält. Hier wird deutlich, dass es in diesem Kontext um viel mehr geht, da es sich um ethische Entscheidungen handelt.
Das benötigt komplexe Zugriffe, um Sprache, Bilder und Gesten zu interpretieren – nicht nur zu lesen, sondern eben auch zu verstehen. In diesem Bereich werden wir frühestens in fünf Jahren erste ernsthafte Produkte und Lösungen sehen. Hinzu kommen ethische Bedenken, ob und in wieweit man Maschinen überhaupt erlauben kann, solche Entscheidungen zu treffen.
Eine andere Problematik zeigt sich am Beispiel Watson. Die menschliche Interaktion ist reduziert auf die vorhandenen Daten, mit denen das System versorgt ist. Soll heißen: Daten die Watson nicht zur Verfügung stehen, kann er auch nicht nutzen und verarbeiten.
Beispielsweise, welche Gefühle habe ich bei dieser Transaktion oder welche anderen Werte habe ich, die evtl. nicht algorhythmisch auszudrücken sind. Gefahr droht auch, wenn wir beginnen, auf Artificial Intelligence Systems zu vertrauen ohne zu Hinterfragen. Ergebnisse und Empfehlungen solcher Maschinen entsprechen nie 100% der Realität.
Beispiel: Wer, genetisch gesehen, könnte mein nächster Heiratspartner werden? Bei der Beantwortung dieser Frage werden menschliche Zusammenhänge jedoch nicht berücksichtigt, da sie nicht gelesen werden können.
Fehlende Daten dieser Art können eine Gefahr für alle möglichen Anwendungen darstellen. Obwohl sich Google und Facebook das Ziel gesetzt haben, selbstständiges Denken mittels der „Global Brain“ zu ersetzten, denke ich, ein Artificial Intelligence System sollte immer unterstützend bleiben.
Wir wird sich das „Internet of Things“ in naher Zukunft auf unsere europäische Gesellschaft auswirken?
Für eine Weile wird sich das IoT sehr positiv auf unsere Gesellschaft auswirken, da es eine Art von „Hypereffizienz“ mit sich bringt. Wenn wir alles vernetzen und dadurch mehr wissen, können wir besser antworten. Wir können schneller reagieren, wir können die Preise senken, wir können einfach effizienter sein. Das ist ganz klar der Fall in den datenintensiven Bereichen der Energie, bei Smart Cities und Transportation. Im B2B, in den Bereichen der Logistik, Transport und Procurement könnten durch Kollaboration und Vernetzung der Logistik-Systeme bis zu 50% der Kosten eingespart werden, ca. 100 Milliarden – eine gigantische Summe.
Aber wir haben natürlich enorme Security- und Safety-Probleme, bei all den vorkommenden Daten, die zum einen unreguliert, zum anderen ohne viel Aufsehens benutzt werden. Ich meine damit nicht die Sicherheit im technischen Sinn, sondern fehlende Standards. Solche Regeln und Normen würden verdeutlichen, wem Daten gehören, wie sie genutzt werden dürfen und wer diese Informationen kontrolliert. Ohne solche Standards sind große Probleme abzusehen.
Darüber hinaus werden wir in ca. 5 – 7 Jahren an den Punkt kommen, wo jegliches Business effizient ist und dadurch nichts besonderes mehr ist. Unternehmen die in Sachen IoT heute die Nase vorne haben und diese technischen Innovationen für sich nutzen, können damit noch punkten.
In 5 – 10 Jahren kann keiner mehr von sich sagen, dass er „effizienter“ oder billiger ist, weil alle diesen Stand erreicht haben werden. Das resultiert in Überfluss! Dieser Überfluss führt zu enormen Preissenkungen und wirkt sich dramatisch auf Firmen und Branchen aus. Deutlich wird das schon heute in der Musikbranche. Mittlerweile wird das Medium CD von Spotify überholt und führte zu Preissenkungen von 95%.
Das ist eine sehr realistische Folge von Hypereffizienz, die es zu beobachten und zu analysieren gilt. Wir müssen uns fragen, welche neuen Werte wir schaffen können, außer nur effizient zu sein, denn diese Eigenschaft wird langfristig nicht mehr zählen.

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Wird das demokratische Unternehmen den Siegeszug antreten?
HR-Bereiche entwickeln sich mehr hin zu einem People-Management. Unternehmen sind dann nicht mehr nur Verwaltungen, sondern setzen mehr auf Science und Bildung. Letztendlich geht es nur um zwei Dinge in der Zukunft: einmal Technologien und Engineering. Aber der andere Aspekt ist Humanity, also grundlegende Themen wie Ethik, Werte, Intuition und Erfindungsgabe.
Arbeitsbereiche werden sich neu verteilen. Es wird Maschinen geben, die einen Großteil der heutigen Arbeit für uns übernehmen werden, wie z.B. logistische, wiederkehrende Prozesse in Unternehmen. Durch diese freigesetzten Potenziale müssen unsere Mitarbeiter einfach kreativer werden, sich weiterentwickeln und vielleicht lateral denken können, nicht mehr nur einfach Techniker sein.
Ein gutes Change-Management wird wichtiger denn je, um Mitarbeiter durch diese kommenden Veränderungen zu lenken und zu führen. Mit Schmerzen und Liebe werden sich diese Änderungsprozesse vollziehen. Schmerzlich, weil ältere Mitarbeiter den Umgang mit neuen Techniken und Tools nicht mehr erlernen können, den Anschluss verlieren und abspringen.
Durch die zunehmende Automatisierung wird der Druck auf alle Mitarbeiter eines Unternehmens enorm anwachsen, schon in den nächsten fünf Jahren. Hat man früher den Mitarbeiter als eine Produktivitätsmaschine gesehen und behandelt, wäre man in Zukunft gut beraten, den Mitarbeiter im Bewusstsein zu stärken, wieder mehr Mensch als Maschine zu sein. Was wir wirklich brauchen werden, sind Leute die Idee haben, die hinterfragen, die kreativ sind, vorausschauend denken, denn das können Maschinen nicht.
Dementsprechend muss ihnen auch der Freiraum hierfür gegeben werden. Wer hier auf Einsparung durch Stellenabbau setzt, verfehlt das Ziel, gewonnenes Potenzial gewinnbringend einzusetzen. Beispielsweise Ärzte, die Watson benutzen um Diagnosen zu stellen und dadurch sehr viel mehr Zeit gewinnen. Wird ihnen jedoch diese gewonnene Zeit nicht für ihre Patienten gegeben, geht ein eigentlich positiver Effekt verloren.
Übrigens: SLACK ist eines dieser neuen Tools, das ich bei einigen Firmen im Einsatz erlebt habe. SLACK bietet Firmen modernes Content-Management, Real-Time-Messaging und Search-Funktionen durch die Teams und Arbeitsgruppen intern kollaborieren.
Wie sieht unser Arbeitsverhalten in Zukunft aus?
Mittel- und langfristig werden wir weniger Arbeiten als heute. Technologien werden uns einerseits befreien, andererseits jedoch mehr Druck erzeugen, da wir menschlich bedeutungsvoller werden. Wahrscheinlich werden insgesamt weniger Menschen in den Firmen beschäftigt sein, eben bedingt durch die Technologien.
Wiederrum werden mehr von ihnen eigene Unternehmungen gründen und selbstständig agieren. Ich denke, es kann durchaus sein, dass wir in zwanzig Jahren dadurch auch zum bedingungslosen Grundeinkommen kommen. Sprich wir verdienen unser Geld ohne dies notwendigerweise von der Arbeit abzuleiten.
Heute definieren wir uns standardgemäß noch durch und über Arbeit und Leistung, allen voran Männer. In 10 – 15 Jahren wird sich dieses Fenster, so glaube ich, schließen. Einfach auf Grund des Überflusses, der dann vorhanden sein wird. Die Bedeutung der Arbeit wird auf einem anderen Wertesystem als Grundlage neu bemessen werden. Das wir zukünftig weniger Arbeiten werden, ist ziemlich sicher. Heute arbeiten wir jedoch noch mehr, auf Grund der Technologie, die eben noch nicht intelligent ist.

Wird nachhaltiges Investieren zum Trend oder ist es schon ein Trend?
Insgesamt sieht man einen Wandel in der Gesellschaft, in der dieser heute extreme Kapitalismus, der nur auf Gewinn ausgerichtet ist, nicht mehr funktionieren wird. Wir sehen heute schon, dass sich der „Circular Approach“, der sogenannten Triple Bottom Line People, dramatisch schnell verbreitet. (Tripple Bottom Line People bezeichnet Menschen und Führungskräfte, die Abkehren von einer reinen Profitorientierung hin zu mehr ökonomischen, ökologischen und sozialen Mehrwerten. Anm. der Redaktion)
Viele Unternehmen, wie z.B. Google, sagen: „Wir müssen darauf achten, dass das, was wir nehmen auch wieder zurückgegeben werden muss.“ Die Börse wird diese Entwicklung in den kommenden Jahren sicher widerspiegeln. Ähnlich wie heute der TecDax, wird es eine Börse geben, die nur nachhaltige, auf Basis dieser Tripple Bottom Line, agierenden Unternehmen zulässt. (Unternehmen, die das Konzept verfolgen, mit ihrem Kerngeschäft zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen, die Lebensgrundlage künftiger Generationen sicherzustellen und mehr soziale Gerechtigkeit zwischen Industrieländern und Ländern der Dritten Welt zu bewirken. Anm. der Redaktion)
Eine Börse, die ganz andere Regeln, Grundsätze und Beziehungen von Unternehmen fordert. Bei dieser neuen separaten Börse wird deutlich, dass der heutige Maßstab bezüglich Return und Dividende weit weniger wichtig sein wird, wie an den bisher bestehenden Börsen, die Firmen listen, für die Sustainability an erster Stelle steht. Unternehmen, die sich weiterhin nur nach Profit und Wachstum ausrichten, werden von Investoren bestraft. Das wird in den nächsten 5 Jahren erreicht werden, dass lässt sich jetzt schon abschätzen.
Was halten Sie von Jeremy Rifkins Buch „Ende des Kapitalismus“ und wie sehen Sie zukünftige Entwicklungen in diesem Kontext?
Es gibt keine wirkliche Alternative, aber dieser harte Kapitalismus, Profit und Wachstum, das wird enden. Der vorher erwähnte „Circular Approach“ verbreitet sich sehr schnell.
Ich denke es entwickelt sich hin zu einer Art von“ Sustainable Capitalism“, man sagt auch „Natural Capitalism“, eine Art von Mischform – wie eine Art sozialistischer Grundgedanke.
Grundlagen hierfür sind der zu erwartende Überfluss: alles wird billiger – ergo ist auch weniger Geld notwendig. Die Logik des Systems wird sich auf Grund der Technologie ändern. Ich glaube nicht das es ein Negativum gibt, einfach nur eine grundlegende Änderung des Gesamtbildes des Wirtschaftssystems.
 
Herr Leonhard, vielen Dank für das Gespräch!
http://www.gerdleonhard.de/
Weitere Informationen unter:
Bildquelle Aufmacher: „Futurist Speaker Gerd Leonhard“ (CC BY-NC-ND 2.0) by  gleonhard 
 
 

Wie werden aus Einkäufen wieder Erlebnisse? An­dreas Stendera, Senior Vice President International Bu­si­ness bei B+S Card Service, über das Potenzial moderner Retail-Technologien für den stationären Handel.
Mit dem Konsumenten 2.0 steht der stationäre Handel vor einer weiteren Bewährungsprobe. Selbstsicher bewegt sich der moderne Kunde zwischen Online- und Offlinewelt, kauft immer öfter im Internet ein und gibt sich im Laden nicht mehr mit Einkaufserlebnissen von der Stange zufrieden. Auf seinem Weg zum gewünschten Produkt wechselt er nach Belieben die Kanäle und fordert dieses Maximum an Flexibilität auch von seinem Händler (Stichwort: Multichannel).
Verschärfend kommt hinzu: Wo Verbraucher ehemals bereitwillig den Ausführungen des Ladenpersonals Glauben schenkten, sind sie heute kritischer – Smartphone & Co. sei „Dank“. So glauben laut Global-Shop­per-Studie von Zebra Technologies 34 Prozent der Konsumenten, einen besseren Zugang zu Real-Time-Informationen zu haben als der Einzelhandelsmitarbeiter. Der Preisvergleich am Regal oder die Suche nach Aktions- und Bundling-Angeboten bei der Konkurrenz ist z. B. beim Kauf von höherwertiger Mode, Möbeln oder Konsumelektronik zur Routine geworden. Zudem greift rund die Hälf­te der Shopper mittels Bewertungsseiten auf die Erfahrungen anderer Nutzer zurück – was bei einer Vielzahl von negativen Statements erfolgs­kri­tisch oder gar existenzbedrohend für den Anbieter werden kann.

Mit moderner Bezahltech­nologie werden Einzelhan­dels­mitarbeiter wieder zu „ech­ten“ Beratern, sagt Gastautor An­dreas Stendera.

Mit moderner Bezahltech­nologie werden Einzelhan­dels­mitarbeiter wieder zu „ech­ten“ Beratern, sagt Gastautor An­dreas Stendera.

Spielraum für persönliche Beratung

Der Kunde ist also ungeduldiger, anspruchsvoller und fordernder gegenüber dem klassischen Ladengeschäft geworden. Und er fühlt sich vernachlässigt: Laut Roland Berger Strategy Consultants se­hen 70 Prozent ihre Bedürfnisse beim Einkauf im Laden nicht erfüllt. Ihnen fehlt die emotionale Komponente – und damit ist nicht die Shop-Gestaltung gemeint. Die einstigen Paradedisziplinen des stationären Handels – die persönliche Beratung und der individuelle Service – werden ihrem Anspruch gefühlt immer weniger gerecht. Wie gelingt es dem stationären Handel, sich auf seine handwerklichen Stär­ken zu besinnen? Wie kann das Personal mit verlässlichen Informationen, hand­festen Argumenten und Services bei Beratung und Verkauf an den Kunden 2.0 unterstützt werden? Was sich für man­che zunächst wie ein Widerspruch anhört, erweist sich in der Realität immer mehr als Erfolgsfaktor: Es ist moderne Retail-Technologie, die einen entscheidenden Beitrag dafür leistet, dass der Stellenwert des Personals als „echter Berater“ erhöht und die Einkaufstour wie­der zum Erlebnis wird. Voraussetzung: Die Technologie muss dezent und unaufdringlich im Hintergrund wirken.

Erfolgsfaktor Retail-Technologie

Ein Beispiel hierfür sind mobile Karten­lesegeräte, die den Tablet- oder Hand­held-PC des Verkäufers in eine „mobile Kasse“ verwandeln. Das ermöglicht flexible und schnelle elektronische Zah­lungen, wo immer es der Kunde im Laden wünscht – kartenbasiert oder auch per Smartphone. In Kombination mit weiteren Lösungen kann so­gar eine Interaktionsplattform geschaffen werden, mit der das Personal einen Rundum-Service bieten kann:

  • Anbindung an Warenwirtschafts- und Filialsysteme: Statt des berüchtigten „Da muss ich erst ins Lager und nach­schauen“ wird die Produkt­verfüg­bar­keit via Tablet-PC überprüft. Falls nö­tig, können augenblicklich Al­ter­na­tiv­vorschläge unterbreitet werden.
  • Tracking der Kaufhistorie: Basierend auf bisherigen Einkäufen entsteht ein detailliertes Kundenprofil. Der „elek­tronische Spickzettel“ verrät die Präferenzen – so kann das Personal im Gespräch Kaufinspiration bieten, eine relevante Vorauswahl treffen und passgenaue Angebote unterbreiten.
  • Durchführung von Treue- und Prämienprogrammen: Kundendaten für digitale Coupons werden simpel erfasst – statt den Kunden mit der x-ten Bonuskarte zu belästigen.

Händler, die ihr Verkaufspersonal mit derartigen Lösungen ausrüsten, vergrößern dessen Bewegungs- und Handlungsspielraum. Das eröffnet neue Mög­lichkeiten, den Warenkorb zu erhöhen, Spontankäufe anzuregen und die Einkaufsfrequenz zu steigern. Zudem wird der Übergang zwischen Beratungs­gespräch und Kaufabschluss fließend gestaltet: Das Einkaufserlebnis findet durch den vereinfachten und beschleunigten Check-Out bzw. Bezahlvorgang einen positiven Abschluss, der nicht durch nerviges Warten in der Kassenschlange getrübt wird.

Einzellösungen intelligent verbinden

Der strukturelle Wandel im Handel führt zu weiteren tiefgreifenden Veränderungen. Der Kunde 2.0 will umgarnt werden – durch intensive Betreuung und bedarfsgerechte Beratung. Genau darin aber liegt die Chance: So geben fast zwei Drittel der Verbraucher an, z. B. für Mode spontan mehr Geld als geplant auszugeben, wenn sie die Beratung als freundlich und kompetent empfinden (Quelle: Roland Berger).
Moderne Bezahltechnologie leistet hier­für einen entscheidenden Beitrag – sofern sie „richtig dosiert“ und nicht zum Selbstzweck eingesetzt wird. Um sie erfolgreich einzuführen, braucht der Han­del starke und erfahrene Lösungspartner, die die Bedürfnisse aller Beteiligten verstehen und konsequent be­rück­sich­tigen: vom Verbraucher über das Verkaufspersonal bis hin zum Marketing und zur IT. Nur so ent­stehen Lösungen, die gleichzeitig auf Akzeptanz beim Ver­braucher stoßen und sich nahtlos in die bestehende In­frastruktur integrieren las­sen – sodass das oft bemühte Wort vom Mehrwert mit Leben gefüllt wird.
Weitere Informationen unter:
www.bs-card-service.com/multichannel
 
Bild Lizenz Aufmacher: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/
Autor und Urheber Jorge Franganillo

Moderne Kunden sind auf allen Kanälen unterwegs, vergleichen Preise, möchten on- und offline ein echtes Einkaufserlebnis. Handel und Herstel­ler müssen darauf mit gut gemachten, unterhaltsamen und werthaltigen Angeboten reagieren. Damit kommt Content-Commerce, bei dem redaktionelle Inhalte mit E-Commerce-Elementen verbunden werden, eine entscheidende Rolle zu.

Dirk Hörig, Gründer und CEO von commercetools, rät: „Interes­sante und inspirierende Geschichten schreiben, in die die jeweiligen Produkte eingebettet sind.“

Dirk Hörig, Gründer und CEO von commercetools, rät: „Interes­sante und inspirierende Geschichten schreiben, in die die jeweiligen Produkte eingebettet sind.“


Inhalte und Technologie für packende Einkaufswelten gibt es in den meisten Unternehmen. Die Herausforderung ist, E-Commerce-Lösungen und Web-Con­tent-Management-Systeme intelligent zu verknüpfen, um Kunden hochwertige Inhalte in Form von Texten, Bildern, Videos und Musik zu präsentieren und gleichzeitig für ein schnelles Auffinden der gewünschten Produkte sowie einen reibungslosen Verkaufsprozess zu sorgen. „Entscheidend für Unternehmen ist, sämtliche Verkaufskanäle im Rahmen einer Omnichannel-Strategie so zu verzahnen, dass für Kunden ein naht­loses Einkaufserlebnis möglich wird“, sagt Dirk Hörig, Gründer und CEO von commercetools. Dafür hat das Soft­wareunternehmen eine E-Commerce-Plattform entwickelt. Allein nackte Pro­duktdaten zu offerieren, sorgt für kein Einkaufserlebnis. „Vielmehr geht es darum, interessante und inspirierende Geschichten zu erzählen, in die die jeweiligen Produkte eingebettet werden können“, erklärt Hörig.
Etwa indem ansprechendes Foto- und Videomaterial mit hilfreichen Informationen verbunden wird, um Kunden ein unverwechselbares Angebot machen zu können. Hörig: „In einer Welt, in der Einzelhandelsriesen wie Amazon mehr und mehr Marktanteile gewinnen und selbst beliebte Marken zu Massenware werden, gehört eine Content-Commerce-Strategie zu den aussichtsreichsten Maßnahmen, um Aufmerksamkeit zu wecken, sich zu differenzieren und neue Kunden zu gewinnen.“
Ein gutes Werkzeug hierfür ist die commercetools Plattform. Sie ist cloudbasiert und wird in zertifizierten, europäischen Hochsicherheits-Re­chen­zentren nach aktuellen Datenschutzrichtlinien betrieben, so dass sich Händler und Hersteller nicht um den Betrieb kümmern müssen. Die Plattform lässt sich über eine zentrale Anwendung steuern, in der alle wichtigen Daten gespeichert sind.
Eine flexible und gut dokumentierte Programmierschnittstelle (API) bildet den Kern der Plattform. Sie erlaubt auch die Anbindung zukünftiger Endgeräte wie Smartwatches, Wearables und Beacons und bietet damit Investitions­sicherheit. „Durch sie ist es möglich, sämtliche Unternehmensprozesse effizient abzubilden, Lösungen von Dritt­anbietern zu integrieren und auch sehr individuelle Anforderun­gen umzusetzen“, erklärt Hörig. Und das hochflexibel, so dass schnell auf veränderte Marktlagen sowie die komplexe Customer-Journey reagiert werden kann. „Unsere Lösung ist für wachs­tums­orientierte Händler und Hersteller interessant, die ihre Vertriebskanäle miteinander verknüpfen und ihren Kun­den auf allen Endgeräten – von klassischen PCs über Smartphones und Tablets hin zu Smartwatches und dem Internet der Dinge – ein attraktives Ein­kaufs­erlebnis präsentieren möchten“, sagt Hörig. Letztlich führt für keinen Player der Weg an einer auch technisch perfekt umgesetzten Omni­channel-Stra­tegie vorbei.
Weitere Informationen unter:
www.commercetools.com

Gastbeitrag von Stefan Steudel, Berater bei Bayard Consulting
Neben der fortschreitenden Digitalisierung kennzeichnet der Drang nach mehr Transparenz bei den Produkten die Situation im Handel: Die gesetzlichen Anforderungen stei­­gen, Zulieferer müssen stärker kontrolliert und Sortimente schneller auf den Kunden ausgerichtet werden. Immer öfter fragen Kunden, woher das Produkt kommt, wie es hergestellt wurde oder welche Allergene enthalten sind. Branchenintern spricht man mittlerweile von einer Explosion der Attribute.

Für Stefan Steudel, Gast­­autor, steht immer der ge­schäftliche Er­folg seiner Kun­den im Vordergrund.

Für Stefan Steudel, Gast­­autor, steht immer der ge­schäftliche Er­folg seiner Kun­den im Vordergrund.


Große Handelshäuser bewirtschaften bis zu 1 500 000 Artikel. Da liegt es auf der Hand, dass kein Händler die vielfältigen Attribute für alle Artikel alleine erfassen und aktualisieren kann. Die gesamte Wertschöpfungskette muss diese Leistung erbringen. Jedes Glied dieser Kette hat relevante Informationen: Ein Bauer weiß, unter welchen Bedingungen seine Kuh Milch gibt; die Molkerei weiß, welche Milch sie auf welche Art und Weise zu Käse verarbeitet; der Lebensmittelproduzent weiß, welchen Käse er für seine Tiefkühlpizza verarbeitet; der Händler weiß, welche Tiefkühlpizza er bestellt und dem Kunden anbietet.
Eine erste Abhilfe schafft seit 2003 ein Netzwerk von Produkt-Datenbanken, das Global Data Synchronisation Network. In der Praxis zeigt sich dieser Ansatz häufig als sehr aufwendig und oft zu langsam für den dynamischen Informationsbedarf des Onlinehandels. Zudem hat der Händler einen ganz individuellen Bedarf, den er direkt mit seinem Lieferanten klärt – etwa detaillierte Produktbeschreibungen und Bilder für den Rasenmäher im Onlineshop. Diese Informationen fließen oft nur mit hohem manuellen Aufwand. Der Informationsfluss stockt. Der Kunde fühlt sich unzureichend informiert und unterlässt im Zweifelsfall den Kauf.

Kollaborative Prozesse mit verknüpfbaren Daten

Daher ist es kein Wunder, dass Handel und Industrie immer stärker auf „kollaborativ“ vernetzte Informations­prozesse mit verknüpfbaren Daten setzen, was flexible Technologien zur Beschreibung, Abbildung und Nutzung der Produktdaten erfordert. Hier prägt etwa Google seit einigen Jahren das „Semantic Web“ mit Technologien, die vergleichbar der menschlichen Sprache die Systeme vernetzen können. Wörter sind in der Technik sogenannte Attribute, die durch die Kombination eine Information vergleichbar mit einem menschlichen Satz ergeben. Solche Sätze werden struk­turiert verknüpft und zu einem Ganzen zusammengesetzt. Dadurch kann Google die Informationen im Internet besser verstehen. Auch die Branchenorganisation GS1 zeigt mit GTIN+, wie GS1-Standards in diesem Kontext genutzt werden können. Nun muss der Händler seinen vernetzten Partnern nur noch die richtigen Fragen stellen, und die Systeme beginnen digital miteinander zu reden.
Beispiel Tiefkühlpizza: Die Informationen einer Charge Käse der Molkerei könnten mit der Charge Tiefkühlpizza des Herstellers und dem Verkaufsartikel des Händlers automatisiert ver­knüpft werden. Per Smartphone erhält der Kunde die für ihn relevanten Informationen. Er kann sich nun entsprechend seiner Kriterien für den Kauf der Pizza entscheiden oder dagegen.
Weitere Informationen unter:
presse.bayard-consulting.com/tr1

Die klassischen Finanzprodukte sind weiterhin gefragt, aber Wachstum generiert die Branche mit modernen Varianten wie Factoring und Leasing.
„Die Finanzkrise führte in den Chefetagen vieler Unternehmen zu der Einsicht, dass man die Bilanz verkürzen und das Finanzmanagement optimieren muss“, erläutert Ronald Müller, Mitglied der Geschäftsführung von arvato Financial Solutions. „Gerade beim Forderungsmanagement ist im Mittelstand viel Nachholbedarf erkennbar. Trotz des in­zwischen vermutlich bei gut 200 Milliarden Euro liegenden Factoringumsatzes in Deutschland besteht, eben aufgrund dieses Nachholbedarfs, für diese Finanzierungsform enormes Potenzial.“

Ronald Müller, Bereichsleitung Financial Services, arvato Financial Solutions, im Interview mit der TREND-REPORT-Redaktion

Ronald Müller, Bereichsleitung Financial Services, arvato Financial Solutions, im Interview mit der TREND-REPORT-Redaktion


Factoring wird zunehmend als ein sinn­voller strategischer Baustein der Unternehmensfinanzierung erkannt. Beim hierzulande üblichen echten Factoring erhält der Unternehmer sofort bis zu 90 Prozent der Forderungssumme; er wird beim Debitorenmanagement ent­lastet und verbessert sowohl seine Bilanzposition als auch seine Eigenkapitalbasis spürbar. Diese Faktoren sowie die saubere Finanzierung des Working Capital stoßen bei der Hausbank auf Wohlgefallen. Längst haben die Verbraucher B2C und den Onlinehandel akzeptiert. Man gewöhnte sich daran, noch spätabends bei amazon zu bestellen oder online eine Reise zu buchen. „Für die B2C-Händler“, so Müller weiter, „hat arvato Financial Solutions mit Trust’n Pay eine echte White-Label-Lösung. Dem E-Shop-Inhaber bieten wir ein vollständiges Factoringkonzept und damit einen relevanten Wettbewerbsvorteil. Wir übernehmen das Inkassomanagement, kontrollieren die Debitoren und schützen unsere Kunden vor Betrügereien im Onlinehandel.“
Diese Abläufe bleiben für den Endkunden aber vollkommen unsichtbar. Und sie sind sicher: „Wir optimieren täglich unsere Sicherheitsmechanismen – um bei Betrugshandlungen immer eine Nasenlänge voraus zu sein. Aus diesem Grund ist eine permanente Weiterentwicklung, wie z. B. im Bereich Device-/IP-Tracking, unumgänglich.“
Viele Onlinehändler haben unzurei­chen­de Filter, um gefälschte Profile zu erkennen, und liefern ihre Ware aus, ohne eine werthaltige Forderung zu erreichen. Die Identitätsdefinition ist folglich ebenso wichtig wie die Bonitätsprüfung. „Trust’n Pay übernimmt die Zahlungsgarantie, und zwar zu 100 Pro­zent, sofern die Identitäts- und Bonitätsprüfung des Bestellers positiv ausfällt“, betont Müller. „Per Pre-Scoring wird für jeden Endkunden eine Auswahl an Zahlungsmöglichkeiten bereitgestellt, aus denen er frei wählen kann. Hieraus ergeben sich höhere Bestellfrequenzen und eine bessere Conversion-Rate.“ Die Gebühren für den Händ­ler sind individuell gestaltet und abhängig von einer Reihe von Faktoren.
finance.arvato.com
ronald.mueller@bertelsmann.de

Zur momentanen Situation im deutschen Handel

Laut Handelsverband Deutschland (HDE), der sich auf das Statistische Bundesamt bezieht, gibt es in Deutschland momentan inklusive Kfz ca. 430.000 Handelsbetriebe mit etwa gut 600.000 örtlichen Einheiten und etwa gut 4 Millionen Beschäftigten bei über 700 Milliarden Euro Jahresumsatz. Bezogen auf den Einzelhandel im engeren Sinne, also ohne Kfz, Kraftstoffe etc., sind es immerhin noch gut 300.000 Unternehmen mit über 450.000 örtlichen Einheiten.
Man stelle sich einmal vor, jedes Handelsunternehmen strebt in das Internet und baut einen eigenen Shop für E-Commerce auf: Tohuwabohu im Heuhaufen wäre eine logische Konsequenz, kaum jemand dürfte noch den Händler seiner Wahl bei den vielen Namensgleichheiten finden können. Daraus ließe sich logisch schließen, dass es nicht sinnvoll sein kann, dass jeder Händler direkt mit eigenem E-Commerce auch zum Onlinehändler wird. Schon jetzt wird im Internet nur wenig Geld verdient bzw. nur wenige Firmen verdienen ausreichend Geld im Internet, aber beim Internet-Auftritt Aller würde wohl kaum noch jemand je seine Investitionen auf der anderen Kontoseite wiedersehen können.
Trotzdem ist die Entwicklung des E-Commerce in den letzten Jahren mehr als rasant zu bezeichnen. Mitte der 1990er Jahre völlig unbedeutend im Abseits gestartet hat der Onlinehandel für Neuprodukte mittlerweile einen Marktanteil von jenseits von 10 Prozent erreicht, im Non-Food-Bereich gar von etwa 16 Prozent, denn aufgrund des Frischegedankens im Food-Bereich und des überwiegend fehlenden Konzeptes Same-Day-Delivery in vielen Regionen hat sich das Internet hier noch nicht durchsetzen können. Aber insgesamt laufen die Prognosen der Marktanteile verschiedener Institutionen wie bvh, IFH und auch des Autors dieses Berichtes darauf hinaus, dass im Jahre 2020 der Onlinehandel mit wohl über 100 Mrd. € Gesamtumsatz insgesamt einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen wird, im Jahre 2030 wahrscheinlich sogar 30 Prozent und mehr, was natürlich je nach Branche sehr differenziert ausfallen wird, vgl. die Übersicht 6.
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Als wichtige Rahmenbedingung bleibt zu erwähnen, dass auf der Verbraucherseite die Einkommen in den letzten Jahren netto real nicht gewachsen sind und bei Anhalten des politischen Denkens in Deutschland – nämlich Exportorientierung vor Binnenkonjunktur – auch hier keine Änderung zu erwarten ist, so dass von dieser Seite kein Wachstumsschub in den Handel kommen wird. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die zunehmende Überalterung der Bevölkerung und den sehr häufig fehlenden Bedürfnissen von älteren Menschen, ihren persönlichen Konsum „anzukurbeln“.
Das Ergebnis aller analytischen Überlegungen ist sehr eindeutig: Der gesamte Einzelhandel in Deutschland wächst nur nominal, aber dieses Wachstum findet ausschließlich im E-Commerce statt, so dass der klassische Einzelhandel, der stationäre Handel, bereits Umsätze verliert – und zwar nicht nur relativ an Marktanteilen, sondern absolut an Werten. Das gilt vor allen Dingen für den Non-Food-Handel, da im Lebensmitteleinzelhandel der E-Commerce momentan nur geringe Marktanteile hat erobern können, s.o.
Der Handel und seine Betriebsformen unterliegt einem Lebenszyklusmodell (Übersicht 3)und es zeigt sich, dass die rein waren-orientierten Unternehmen sich auf dem absteigenden Ast befinden, wohingegen die eher vertriebs- und konzept-orientierten Händler wie Online, Franchise, Vertikale etc. auf dem Vormarsch sind und gerade die Märkte der Reihe nach erobern. Insbesondere der E-Commerce in allen Varianten (Übersicht 4)nimmt Fahrt auf. Das Ergebnis werden drastische Marktanateilverschiebungen sein, s. Übersicht 5.
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Zu den Entwicklungen im Handel generell gibt es von der Ulrich Eggert Consulting.Köln zwei kostenlose Downloads „Megatrends II – Starke Veränderungen im Handel“ bzw. einen zweiten kostenlosen Download zum Thema „Gewaltige Marktanteilsverschiebungen im Handel bis 2025 / 2030“ . Auf der gleichen Site finden Sie aber auch eine weitere kostenlose Studie zum Thema „Wachstum mit Internet & E-Commerce“, quasi für die „Gegenseite“ sowie auch die Kurz-Studie „Trends und Entwicklungen in Digitalisierung & Internet“.

Eine schnelllebige Produktwelt stellt auch E-Commerce-Shops vor neue Herausforderungen: nämlich die Bildbeschaffung. Hochwertige Bilder, mit denen sich eine Story erzählen lässt, sind der Anspruch an die Shopbetreiber. Die TREND-REPORT-Redaktion spricht mit Ralph Kissner, Geschäftsführer der Six Offene Systeme GmbH.
Herr Kissner, was macht einen E-Store Ihrer Meinung nach erfolgreich?
Einer der Einflussfaktoren, der nach Auskunft unserer Kunden verschiedenster Branchen heute den Erfolg von Werbeaktivitäten maßgeblich beeinflusst, ist die Bebilderung von Produkten im gesamten Verkaufsprozess. Wir kümmern uns seit Jahren um das Thema Bild oder besser: Asset und sehen seit Jahren die wachsende Bedeutung dieses Trends. Bei dem stetig und stark wachsenden Bildbedarf in den Unternehmen kommen jetzt die Prozesse der Bildbeschaffung und der Bildauswahl auf die Agenda der Unternehmen.
Was sind die Faktoren, die bei Bildbeschaffung und -auswahl in den Fokus rücken?
Da Werbung und Marketing heute immer schneller auf neue Marktsituationen reagieren können muss, kommt es darauf an, die Prozesse bei der Bildbeschaffung und der Bildauswahl deutlich zu verschlanken. Die Beschaffung bei den Bildrechtegebern oder – im Fall des Handels – bei den Herstellern muss heute extrem schnell gehen. Dazu kommt, dass die Abstimmungsprozesse in der Bildauswahl zwischen den Beteiligten nicht nur schneller werden müssen, sondern in immer mehr Fällen auch noch dezentral ablaufen.
Wie reagieren die Unternehmen auf diese Herausforderungen?
Es wird immer mehr in Softwaretools investiert, die die beschriebenen Prozesse der Selektion und Auswahl unterstützen. Hierbei ist entscheidend, dass sich diese Tools in die existierende Prozess- und IT Landschaft integrieren lassen. So müssen Bilder und Filme nach der (Bild-)Auswahl direkt an die weiterverarbeitende Abteilung wie z.B. die E-Commerce Abteilung, Werbemittelproduktion oder Dienstleister für die Katalogproduktion übergeben werden können.
Lässt sich der Erfolg von Bebilderung messen?
In der Zwischenzeit existieren in den unterschiedlichen Absatzmärkten umfangreiche Studien zur Rolle der Bebilderung beim Produktverkauf. Übereinstimmend ist der Tenor, dass in allen Märkten die Bebilderung bzw. die Bildauswahl im Extremfall bis zu 20% des Absatzes mitbestimmt oder direkt verursacht. Das haben die Unternehmen erkannt.
Was raten Sie Unternehmen mit Online Shops und umfangreichen Bildbeständen?
Die Einsicht in die Zusammenhänge dieser Themen ist in den Unternehmen da. Es geht jetzt darum, sich um die Prozesse und die Tools zu kümmern. Hier sind die Marketing- und Vertriebsabteilungen gefragt, zusammen mit der IT möglichst schnell weiterzukommen. Da ist sicher die Kombination von Mut zur Investition auf der einen Seite und klassischem Projektmanagementhandwerk auf der anderen Seite gefragt.
Weitere Informationen unter:
www.six.de